Tag 3: Montag, 01.02.2010 Casablanca - Meknes

 

 

         
   

Neuer Tag und neues Glück. Er startete hinter normalen Vorhängen und einem feudalen Frühstück in der Ibis-Mampferia. Schlecht war es wirklich nicht, nur der Kaffe roch etwas nach Chlor was für meine Geschmacksnerven ziemlich befremdlich wirkte (das ich den Kaffeautomaten unter „Chlorkaffe gesetzt“ habe sollte ich lieber nicht sagen ;))

   
         
         
       
         
       
   

Hier wurde überlegt und man ging ganz klar auf die Bedürfnisse der Fussgänger ein ;)

   
         
   

Dann ging es los, über die Autobahn wollten wir einen grossen Bogen um Casablanca herum machen um dann hinter Mohamedia wieder an die Strecke zu kommen. Idee und Umsetzung waren super, und der Weg dahin mit vielen Hindernissen und einigem Gebrüll im Wagen verbunden. Harmlos sind da die kleinen Isuzu PickUps welche mit 40km/h und mit der Ladefläche voller Personen die rechte Spur blockieren. Andere Szene, wir fahren und der vor uns fahrende Geländewagen biegt auf einmal links in den Mittelstreifen ein (Abstand zwischen den Fahrbahnen etwa 20m, viel Grünzeug aber keine Leitplanke), er wendete über den Graben und den Mittelstreifen hinweg mitten auf der Autobahn – LOL. Estnische Verhältnisse, nur illegaler. Nächster Knackpunkt, die Mautstation, davon wussten wir natürlich und teuer sollte es auch nicht werden, fieser waren da die Polizisten davor welche uns (Daniel fuhr) rauswinkten. Warum war uns nicht ganz klar, vermutlich allgemeine Kontrolle oder so, Radarpistole hatten sie keine also konnte es das nicht sein, Angst zu schnell gefahren zu sein hatten wir auch nicht, da wir uns eigentlich immer ans Limit gehalten haben (der Logan macht eh kaum 120). Als dann der freundliche Polizist aber sagte, man habe uns mit 134 in der 120er Zone erwischt stockte uns etwas der Atem. Was? .. das kann doch nicht. Wir fragten dann, woher er das wisse, er habe ja gar kein Messgerät. Er wisse es, meinte er. „Ob es ein Foto gibt“ fragte Daniel weiter? Nein, aber sein Kollege am Funkgerät habe es ihm gesagt, und er deutete auf das Funkgerät. Hihi, super Begründung. Ok, wir waren aber, obwohl wir wussten keine 134 km/h schnell gefahren zu sein, in unserer Position völlig machtlos und den Beamten ausgeliefert. Mit einer Quittung welche Daniel unterschreiben musste kam der Polizist dann zurück. Daniel hackte noch mal nach, wo habe man gemessen, und wo steht 134? Ist da etwas Toleranz schon abgezogen oder wie und überhaupt? Ob alles etwas geschätzt sei? ;) Das deutete Daniel indem er den Daumen ins Maul stecke, raus nahm und etwas schwenke, der Polizist lachte herzhaft und meinte, neinnein und zeigte auf das Funkgerät, der Kollege habe Fahrzeug und Nummer durchgegeben. Daniel glaube immer noch nicht unterschrieb den Zettel aber mit dem Kuli vom Polizisten. Dieser nahm den Zettel, gab uns den durchschlag und verlangte den Schreiber zurück, „he, i'ts my pen“, und er lachte wieder. Wir lachten ebenfalls und er wünschte uns viel Glück, dann waren wir weg. Die Situation ist uns extrem suspekt, er merkte sofort wie wenig Ernst wir ihn und seine Busse nahmen, ich glaube er wusste auch genau das wir keine 134 gefahren sind, aber er wollte seine 400 Dh und bekam sie auch, dagegen waren wir machtlos, was wiederum er lustig fand ;) Jaja, schon spassig, solche Touristen auf der Autobahn.
Das nächste Erlebnis gleich 200m weiter an der Betalstasion, 11 Dh wollten die, ich wollte Kleingeld machen und gab zwei 10er Stücke. Anstatt neun zurück zu geben warf man Daniel einen 10er zurück in die Hand und winkte durch. LOOOOL, schon wieder .. da hatte jemand keine Lust auf Kleingeld und senkte den Preis nach Gutdünken einfach auf 10 DH, erspart einiges an Arbeit und überhaupt. Wir konnten uns nicht mehr halten im Auto drin.
Daniel merkte dann auf einmal wie viel 400 Dh eigentlich sind und wurde etwas sauer auf den Polizisten, ändern konnten wir es nun aber nicht mehr. Hinter Mohamedia verliessen wir die Autobahn und fuhren parallel der Strecke nach Norden. Die Küste ist zwar relativ weit weg, sicherlich einen guten Kilometer und sowohl Autobahn als auch eine Küstenstrasse liegen dazwischen, trotzdem sieht man dank Hanglage meist sehr gut das Meer. Es gibt auch immer mal wieder Einschnitte und dank der Lage ist das eigentlich am ganzen Vormittag und Mittag im Licht. „Problem“ nur, die Bahn ist relativ weit weg von der normalen Strasse und man müsste sich das ganze erlaufen, worauf wir unter den Wolken keine Lust hatten. Weiter oben kurz vor Rabat fanden wir dann sogar in der Sonne eine nette Brücke wo wir uns mal für die nächsten Züge hinstellten. Der Takt war richtig gut, innert 15min kamen drei Züge nach Rabat und zwei von Rabat. Die Strecke, dass muss man dazu sagen, wir S-Bahn mässig betrieben von Casablanca über Rabat hinaus.

   
         
         
       
   

Zwischen Casablanca und Rabatt führt die Bahn mehr oder weniger der Küste entlang. Ein S-Bahn ähnlicher Takt verbindet die beiden Zentren, was einiges an Zugverkehr bedeutet. Hier fährt ein Franzose E1300 mit einem Expresszug nach Norden, zwischen Skhirat - Bouznika

   
         
         
       
   

Wenig später eine weitere 1300er, diesmal mit einem Expresszug von Marrakech nach Fes am Hacken.

   
         
         
       
   

Auch die neuen Doppelstockzüge der Baureihe Z2M welche die ONCF aus Italien beschafft hat sind auf der Strecke heimisch. Zwischen Skhirat - Bouznika

   
         
         
       
   

Natürlich gibt es auf der Strecke auch die Japaner der Reihe E1250 zu sehen, hier wieder mit einem Expresszug aus Casablanca, zwischen Skhirat - Bouznika

   
         
         
       
   

Eine 1300er auf der Fahrt nach Süden mit einem Expresszug nach Casablanca zwischen Skhirat - Bouznika

   
         
   

Die Sonne war irgendwann wieder weg und somit auch wir. Auf der Hauptstrasse fuhren wir weiter gen Rabat und auf einmal ging die Strasse vor uns runter. Ein kleines Tal wird durchquert, auch von der Bahn und gar nicht unfotogen. Wir parkten neben der Strasse und stellten uns mal an den Brückenkopf der Strassenbrücke um auf Züge zu warten. Es kamen erst ein paar Einheimische die mit dem Felsen im Hintergrund Familienfotos schossen und dann ein Zug von vorne. Ein Dosto, mit einer merkwürdig lackierten zweiten Einheit.

   
         
         
       
   

Nördlich von Sidi Bou Othmane, kurz vor dem Bahnhof, rollt eine E 1250 aus Japanischer Produktion (Hitachi) mit Zug 608/131 nach Fes.

   
         
         
       
   

.. die hintere Z2M Einheit war dabei etwas speziell Lackiert. Was es mit damit auf sich hat haben wir nicht heraus gefunden.

   
         
   

Da die S-Bahn bis nach Kenitra verkehrt wollten wir den Abschnitt Rabat – Kenitra auch noch besichtigt haben, man könnte ja etwas verpassen. Die Autobahn erreichten wir in der Aglo von Rabat noch ganz gut, aber dann hatten wir ein kleines Problem. Entweder man verlässt die Autobahn früh und streift Rabat im Norden, oder man fährt gleich rauf nach Kenitra (nächste Abfahrt) um dann Parallel wieder runter zu fahren. Wir entschieden uns für keine der beiden Varianten und verliessen über eine auf der Karte nicht vorhandene Ausfahrt die Autobahn und freuten uns kurz am glauben, alles richtig gemacht zu haben. Der Konsequenz war bitter und als wir wieder wussten wo wir sind waren wir MITTEN in der Millionenstadt Rabat. Mitten im Getümmel. Grand Taxis, Petet Taxis, überfüllte Busse und geparkte Autos, Mofahfahrer, Fussgänger und alle teilten sich die Spur. Und immer mal wieder war alles eine grosse Baustelle, eine Baustelle für die neue Tram von Rabat. Wir kamen aber ganz gut durch und liessen die Medina links liegen. Dank einem kleinen Stadtplan in der Marco Pollo Karte fanden den Weg nach Kenitra ohne verfahrer.

   
         
         
       
   

Auf der Fahrt nach Rabat kurz vor Erreichen der ersten Aussenbezirke, die alten Stadtbusse sind noch in Betrieb.

   
         
         
       
   

Nur einen Bogen weiter dann der Blick auf die Siedlung am Stadtrand von Rabat. Der alte Renault vorne hat mit der Steigung ganz schön zu kämpfen.

   
         
         
       
   

Rabat hat uns aufgesogen und irgendwo im Norden auf der anderen Stadtseite wieder heraus gespuckt, hier auf der Hauptstrasse nach Kenitra. Die alten Mercedes 200 sind typisch für ganz Marokko, es sind die sog. GrandTaxis welche für einen Grossteil der Landbevölkerung das einzig erschwingliche Verkehrsmittel ist (abgesehen vom Esel vielleicht). Wem die mittlere Spur auf der Strasse gehört war uns auch nicht so klar, aktuell war sie uns, solange bis ein grösseres Fahrzeug entgegen kommt.

   
         
   

Etwas ausserhalb bogen wir dann ein erstes mal rechts ab und fuhren zur Bahn, die Stelle war nicht viel Wert, aber es war nicht schlecht und so schossen wir trotz keinlicht noch zwei Züge nach Süden (nur um es gemacht zu haben).

   
         
         
       
   

Der Streckenabschnitt von Rabat bis nach Meknes, dem Ende der \"S-Bahn\" ist relativ unfotogen, in einer typischen Situation haben wir dem Expresszug nach Marrakech aufgelauert. Der Wald voller Korkbäume ist wie man unschwer erkennt künstlich angelegt und scheint auch im Marokkanischen Winter ertragreich zu sein, die Korkrinde fehlte bei allen Bäumen in der Plantage.

   
         
         
       
   

Nochmal ein Dosto Z2M mit einen Nahverkerszug nach Casablanca.

   
         
   

Als diese vorüber waren fuhren wir weiter, Kenitra durchquerten wir ohne eine weitere Stelle gefunden zu haben. Der Streckenteil bis Sidi Kacem war dann extrem ermüdend, sehr flach und ziemlich dicht bewaltet. Etwas Abwechslung boten da nur die sehr zahlreichen Polizeikontrollen (wir kamen immer durch) und die teilweise Abenteuerlich beladenen Lastwagen welche zu einer Ansässigen Zelulosefabrik fuhren. Das Wetter war ziemlich mies und so liessen wir Sidi Kacem links liegen und suchten die Strasse nach Meknes. Dank sehr schlecht angeschriebenen Wegen fanden wir diese nur durch unsere Intuition recht gut, aber nicht ganz auf Anhieb. Der folgende Streckenabschnitt wurde dann wieder interessant, da die Strecke erst durch ein sehr enges Tal und dann ewig über eine hügelige Hochfläche führt und da immer mal wieder sehr Fotogen eingebettet ist. Wir kennen Bilder von da, da sind die ganzen Berge und Hügel wüstig braun, aktuell ist aber alles grün / grau / braun, was ja eigentlich nicht schlecht ist, uns aber etwas überrascht.
Im Weiteren verlauf, wir waren fürs Hotel noch zu früh, wollten wir die Zeit noch nutzen für ein paar Fotos, dazu fanden wir eine gar nicht schlechte Stelle nähe Et Tleta. Wir standen an der Strasse im Auto und wollten auf eine Bahnbrücke quer knallen, da kommt aus dem Busch hinaus eine Familie und stellt sich auf den Platz vor uns. Das Mädel war dabei sehr chick wie ein Weihnachtsmann gekleidet, rotes Gewand mit weissen rändern ;) Die Familie wurde aus unserem Tun nicht ganz schlau und schaute immer wieder zu uns und grinste in unsere Richtung. Nach etwa 15min dann kam ein Grande Taxi und nahm die Leute mit – ein ziemlich gemeines und unberechenbares Nahverkehrskonzept. Der Zug, dummerweise ein Dosto, kam pünktlich und im hellsten Moment des Nachmittags über die Brücke gerollt, was mal wieder als Glück bezeichnet werden darf.

   
         
         
       
   

Ein Sprung nach Osten, wir befinden uns jetzt zwischen Sidi Kacem und Meknes, genauer gesagt zwischen Sidi Mbarek du R\'Dom und Bab-Tisra. Auf diesem Streckenteil ist der Verkehr auf einen Stundentakt ausgedünnt und die Dostos der Reihe Z2M sind richtige Fernverkehrszüge geworden. Hier überquert eine Einheit von Fes her kommend eine ebenfalls sehr günstig aufgemöbelte alte Steinbogenbrücke.

   
         
   

So langsam bekommen wir Angst, irgendwie muss sich dieses Glück mal wieder ausgleichen auf Normalstand, was einige negativ Erlebnisse unvermeidbar macht ;) Für einen Zug von Marrakesch nach Fes stellten wir uns gleich auf einen Hügel weiter vorne um auf die Brücke quer zu ballern. Im Feld drin standen wir und die Bewohner der umliegenden Hütten schauten uns zwar an und einer kam sogar fast bis zu uns hin, man war etwas irritiert liess uns aber in Ruhe. Allgemein gibt es in der Gegend ziemlich viele Siedlungen und Dörfer die meist aus Lehmbauten bestehen. Wir fragen uns wovon die Landbevölkerung hier lebt, von der Landwirtschaft im Frühling? Auch Schulbildung oder ähnliches dürfte es nicht flächendeckend geben, denn heute am Montag waren die Strassen voll mit Kindern die bei uns in die Schule gehörten. Der Zug oben auf der Brücke kam nicht schlecht, aber nicht wirklich von der Sonne angestrahlt.

   
         
         
       
   

Gegenschuss auf die Brücke im aller letzten Büchsenlicht des Tages. Eine 1300er zieht einen Expresszug von Marrakech kommend nach Fes, kurz vor Meknes, zwischen Sidi Mbarek du R\'Dom - Bab-Tisra

   
         
   

Zurück beim Wagen nahmen wir die letzten Kilometer bis Meknes unter die Räder und erreichten beim eindunklen die Stadt. Im Üblichen Verkehrschaos fanden wir das bereits reservierte Ibis mit Leichtigkeit und einer grossen Portion Glück. Auch hier hatte man aber kein 3er Zimmer für uns und so mussten wir uns zwei Zimmre nehmen, was zwar etwas mehr kostet aber angesichts unserer Erwartungen an ein Hotel total passabel ist.
Wir machten uns Frisch, ich ging Duschen und dann wollten wir auf, Abendessen und etwas in der Stadt flanieren, beides gelang prima wobei die Altstadt (Medina) mit den kleinen Gässchen schon sehr speziell ist. Da gibt es alles zu Kaufen, von der gefälschten Rolex bis zum ganzen Gockel. Es ist schon ein ganz anderes Leben als bei uns in einer solchen Stadt …
Wir Assen dann etwas und verabschiedeten uns nach dem Rundgang, dauerte doch seine Zeit, wieder im Hotel im Internet und jetzt im Zimmer, gn8.

   
         
       
       
         
   

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