Tag 76: Montag, 6.08.2007, Riga – Krustpils,  265 km

 

   
 
   
  Tagesbericht:
   
 

Durch die Sonnenstrahlen, welche an unser Zelt schienen und es in eine Sauna verwandelten, wurden wir heute morgen artig früh geweckt. Bereits um 8 Uhr fing der Tag mit dem packen unserer 7 Sachen und der Abfahrt an. Weit kamen wir nicht, den die Daugavabrücke bei der Bahnhofsausfahrt musste noch mit. Nach der elendigen Parkplatzsuche und einen kleinen Fussmarsch fanden wir eine nette Stelle, von wo wir die Brücke samt Hochhaus und Raidisson SAS Hotel aufnehmen konnten. Wir warteten 3 S-Bahnzüge ab, von welchen jedoch keine in wirklich einheitlicher auffälliger neuer Lackierung erscheinen wollte. Trotzdem zufrieden über den Tagesanfang zogen wir weiter um zu Frühstücken. Nicht das wir jetzt die einheimische Kost meiden wollten, doch der Mc an der Hauptstrasse erwies sich einfach als zu Ideal. Mit einem Burger und einem Milchshake konnte der Tag ein zweites mal beginnen.

Um der Elektroeisenbahn hierzulande noch einmal Adieu zu sagen, posierten wir uns an einem Bahnübergang gleich vor Azikraule und warteten den nächsten Zug ab. Gleich nach unserer Ankunft war ein lautstarkes wummern zu vernehmen, ganz klar, es konnte nur ein Güterzug sein. Es erschien eine Taigatrommel mit Güterzug, welchen wir im besten Sonnenlicht aufnehmen konnten. Laut Fahrplanauskunft sollte es noch 30min bis zur nächsten S-Bahn dauern, welche wir noch mitnehmen wollten. Zwischendurch gab es noch Besuch. Ein hier ansässiger Rentner kam unser Treiben ein wenig komisch vor und so tat er sich keinen Zwang an um uns anzuquatschen. Logischerweise konnte er kein Englisch und wollte auch nicht verstehen, dass wir kein Lettisch sprachen. Naja, er textete uns kurzerhand voll, schaute und blöd an, als wir die Schulter hoben zog wieder ab. Keine 5min wollten vergehen, ehe ein Auto auf der anderen Seite des BÜ’s parkierte und ein jüngerer Herr, mitte 30, ausstieg und uns ebenfalls auf Lettisch zuquatschte. Nix verstehen deine Sprach gaben wir zur Verständnis und forderten ihn auf Englisch mit uns zu reden. „What are you doing here??“ Wollte er in einem ziemlich unfreundlichen Ton wissen. Es scheint unser Hobby ist hier nicht so bekannt oder wir waren hier irgendwie in ein komisches Gebiet geraten. Er liess uns weiterwarten und zog wieder ab. Es verging nicht mehr viel Zeit ehe die erste S-Bahn erschien. Glücklicherweise war es ein modernisiertes Modell und wir beschlossen, am Endbahnhof mal einen kurzen Blick rein zu werfen. Zuerst stand jedoch noch die Überholung eines Dieselzuges an, welche wir im Bahnhof aufnahmen. Frontenvergleich.

 

Eisenbahnbrücke in der Hauptstadt Riga - sie führt über die Daugava

  ER2T 7113-07R und DR1A 290 4 begegnen sich in Azikraule
 

Die S-Bahn erwies sich als sehr „S-Bahnig“. 3+3 Bestuhlung und alles schön aus Plastik. Der Führerstand ähnelte mehr einem Flugzeugcockpit, war jedoch schön klimatisiert. Alles in allem irgendwie nichts besonderes, einfach in russischem Design. Nun konnten wir weiterziehen. Tagesziel war heute Krustpils. Auf der Fahrt dahin wollten wir noch einige Züge mitnehmen, weshalb wir ab und an eine Strasse hineinschauten. Kurz nach Koknese blinkten die Lichter eines BÜ’s bereits. Stellen- und Lichttechnisch nicht gerade optimal erwischten wir einen Russendiesel mit Güterzug. Bei einer weiteren Stelle hielten wir jedoch ein wenig länger an. Kurz vor Plavinas überquerte die Hauptstrasse das Trasse der Eisenbahn auf einer hohen Brücke. Von dort konnte man prima in beide Richtungen fotografieren. Die Sonne war mittlerweile von den vielen Schleierwolken gedämmt, so dass ein allfälliger Frontschatten nicht so fest auffallen würde. Es verging nicht allzu viel Zeit, ehe es im Wald zu wummern anfing und einen Taigatrommel mit Kohlenganzzug erschien. Das Vorsignal hinter unserem Rücken zeigte Halt an , weshalb wir auch noch den Gegenzug abwarten wollten. An der Gewaltigen Abgaswolke, welcher der Russendiesel über sich erblicken liess, war der Zug schon von weitem zu sehen. Es folgte eine 2TEP10M mit einem Mischwarenzug.

 

In der nähe von Plavinas rollte diese 2M62 0894 der LDZ gen Osten

  2TE10U 217 beschleunigt mit einem Zug aus dem Bahnhof Plavinas
     

Genug von der Stelle gesehen und ein wenig verärgert über den immer dichter werdenden Schleier vor der Sonne fuhren wir weiter. Weit war es nicht mehr bis Krustpils, doch Stellen schienen vorhanden zu sein. Kurz vor dem Bahnhof vereinigt sich die Strecke aus Ventspils mit der Strecke aus Riga. Da wohl die meisten Züge aus Ventspils nach dem Bahnhof auf die Strecke nach Russland abbogen, wurde die ganze Infrastruktur so konstruiert, dass ein Zug von Riga nach Daugavpils und ein Zug von Ventspils nach Russland parallel durch den Bahnhof fahren konnten oder sich niveaufrei kreuzen konnten. So wurde die Strecke aus Ventspils mit einer Brücke über die Strecke aus Riga geführt und in einem weiten Bogen vereinigt. Die Eisenbahnbrücke bzw. der Damm davor eignete sich auf jeden Fall bestens als hoch stehender Standpunkt und wir warteten ab. Die Sonne schien mittlerweile irgendwo zwischen dem Schleier hindurch und es folgte eine TEM2 mit einem Kurzgüterzug aus Richtung Plavinas. Gleich darauf erschien in der Ferne eine Taigatrommel mit Kohlezug in Richtung Riga. Leider war nun wieder Schleier vor der Sonne und es war nur noch Halblicht. Schade. Zu allem Übel wiederholte sich genau dieselbe Situation 5min später, als wieder eine Taigatrommel mit Kohlezug erschien. 10min später wummerte es in der Gegenrichtung und eine TEP10M, ebenfalls mit Kohlezug, fuhr in den Bahnhof von Krustpils ein. Auf der Strecke nach Ventspils schien nicht wirklich viel los zu sein. Aufgrund des Schleiers und der mittlerweile arg verdunkelten Landschaft beschlossen wir hier abzubrechen und einmal das Städtchen Krustpils anzusehen. Es stellte sich als richtiges Kaff heraus. Lauter Bretterbuden und 2 Supermärkten. Sonst nichts wirklich erwähnenswertes. Die Daugava schien eher einer Kloake gleich als einem mächtigen Fluss und die einzige Brücke darüber hatte  auch schon bessere Zeiten gesehen. In der Hoffnung auf einige Infos fuhren wir zum Bahnhof und stiefelten ein wenig auf dem Perron herum. Ausser dem Stellwerk und den beiden BÜ Überwachungshäuschen auf jeder Seite des Bahnhofes war kein Personal anzutreffen. Als sich der ältere Herr im BÜ Häuschen als ziemlich desinteressiert erwies, gaben wir auch die Hoffnung auf Infos auf. Irgendwie wollte es heute nichts so ganz!. Mehr als Zeitvertreib lichteten wir die immer noch im Bahnhof stehende 2TE10 ab und fotografierten den soeben einfahrenden Gegenzug, bespannt mit einer 2M62. Diese hielt ebenfalls an und ein weiterer, diesmal sogar angestrahlter Russendiesel 2TE10U erschien mit einem Mischwarenzug. Da die Sonne je länger je mehr durch den Schleier hindurch brach, entschlossen wir uns nochmals zur Bahnbrücke zu fahren. Diesmal verging auch nicht wieder viel Zeit, ehe es zu dieseln begann. Nun schien es aber von der Strecke aus Ventspils zu kommen. Ein automatischer Heißläufersensor auf der anderen Brückenseite fing an zu rattern und ein In der Ferne erschien ein Baufahrzeug. Toll ;-). Wir standen zur Seite und warteten wieder ab. Im Bahnhof war ein Zug zu sehen, mal schauen wohin der will!?. Etwas gleichzeitig sprang das Einfahrsignal aus Riga auf Grün und in der weiten Ferne war ein leises wummern zu hören. Hmm.. Rush Hour. Der im Bahnhof gesichtete Zug bog in Richtung Ventspils ab, der andere kam aus Riga. Wer ist zuerst? Wir beschlossen uns aufzuteilen, um jeden der beiden Züge zu knipsen. Aus Richtung Riga kam eine Doppeltrommel mit Oeler, nach Ventspils zeichnete sich eine Russenlok ab. Doch hä?? Die Lok war rot.. und zwar nicht das Rot von Transoil, sondern ein anderes rot. Zu allem Erstaunen hatte die Lok noch LDZ Anschrift und Nummer. Ob das wohl das neue Farbschema ist?

     

 

2TE10M 3450 mit einem Ölzug aus Riga kurz vor dem Bahnhof Krustpils

  2M62 1186 mit einem Ölzug auf dem Weg nach Riga kurz hinter Krustpils

 Der Vollständigkeit halber warteten wir auch noch einen Zug in Richtung Riga ab, welcher nicht lange auf sich warten liess. Danach konnten wir zufrieden Stelle wechseln.. Einige Kilometer weiter in Richtung Plavinas war eine grosse Fläche gelegen, welche wir noch fotografisch festhalten wollten. So warteten wir auch da auf einen Zug. Die Personenzüge ganz vergessen, waren wir ziemlich überrascht, als ein Steuerwagenführender Triebzug daherkam. Um noch einen richtigen Zug abzuwarten blieben wir noch, bis ein Güterzug erschien. Wiederum mit Trommel führend hörte man das gute Ding schon von weiter Ferne. Zum ersten mal sahen wir nun eine vierfachtraktion, bestehend aus 2 2M62. Als letztes warteten wir an der Stelle einen Fernverkehrszug ab, im Bahnhof Krustpils hatten wir die Abfahrtsanzeiger Fotografiert und laut diesem müsste bald einer kommen. Was er auch tat, bespannt mit einer TEP70. Nun blieb uns noch eine bekannte Stelle offen. Von der Strassenbrücke in Plavinas hatten wir noch eine andere Brücke gesehen, welche wir nun anschauen wollten. Sie erwies sich ebenfalls als fotogen und wir warteten ab. Es verging eine Stunde, zwei Stunden, von Zugsverkehr keine Spur. Nach guten 3 Stunden Wartezeit kam dann der Fahrplanmäßige Personenzug, welchen wir nachschossen. Ebenfalls folgte der Gegenzug und später noch einer. Immerhin hatten wir jetzt von jeder Farbgebung ein gutes Foto ;). Doch von Güterzügen war nichts zu sehen und es kamen auch keine mehr ehe die Sonne zu schwach für anständige Fotos war. Schade. 

 

TEP70 0203 mit einem Latvijas Ekspresis nach Russland

  DR1A 2541 in rot/weiss zwischen Plavinas und Krustpils

Mittlerweile bereits 9 Uhr, machten wir uns auf die Suche nach dem Campingplatz. Dieser sollte sich rund 20km westlich von Krustpils an einem See befinden – das meinte zumindest unser ADAC Campingführer. Den Platz fanden wir auf Anhieb, die Rezeption bzw. den Besitzer nicht. Gäste waren auch keine Auszumachen. Nach hin und herlaufen fanden wir dann einen älteren Herr, der uns weiterhelfen wollte. Die Sprache war halt wieder einmal das Problem und seine Frau, welche ein ganz wenig Deutsch konnte, wurde gerufen. Glücklicherweise kam etwas zur selben Zeit der Besitzer noch kurz vorbeigefahren. So durften wir unser Zelt dann auf einer Wiese aufstellen und die Duschen und Klo’s benutzen. Kostenpunkt: 5 Lats für 2 Nächte – verglichen mit 11 Lats für eine Nacht in Riga ganz schön günstig.

Da wir wohl hier nichts mehr zu essen bekamen versuchten wir im nächsten Dorf unser Glück nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten. Erfolglos, einzig eine Tanke hatte geöffnet und so versorgten wir uns mit Bier und etwas zum Knabbern. Auf der Suche nach etwas Essbarem stiessen wir im Wagen noch auf Norwegische (!!) Ravioli ;) Akzeptabel, diese wurde dann mit dem Benzinkocher warm gemacht und wir genossen den Abend am See mit Futter und einem leckeren einheimischen Bier.

 

 
   
 

Hier findet ihr die Galerien von Daniel bzw. Nil (öffnet jeweils ein neues Fenster)

GALERIE DANIEL GALERIE NIL

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