Tag 78: Mittwoch, 08.08.2007, Krustpils Daugavpils,  180 km

 

   
 
   
  Tagesbericht:
   
 

Nach dem gestern eher nüchternen Tag, welcher aufgrund der Nachtaufnahmen noch in letzter Sekunde gerettet wurde, hofften wir heute auf einiges besser Wetter. Dieses war auch als wir unsere Köpfe heute morgen aus dem Zelt streckten. Blauer Himmel mit ganz wenig vereinzelten Schleierfetzen.

Erstes Ziel war der kleine Bahnhof von Jersika, welchen wir gestern entdeckten. Auf dem Weg dorthin überholten wir einen Güterzug, doch sahen wir nicht welcher Loktyp davor hing. Insgeheim auf einen dicken Russen hoffend, stellten wir uns an die Stelle und warteten. Da noch ein Gegenzug auf der Strecke war schien es wohl ein wenig länger zu gehen, da dieser noch kreuzen musste. Sehr zu unserem Unmut fing es plötzlich hinter unseren Rücken an zu wummern und eine Taigatrommel mit Kohlezug tauchte auf. Wir begannen einmal auszurechnen was nun passierte. Kohlezug von hinten kam, stellte sich ins Ausweichgleis, welches sich gleich vor unsern Nasen befand. Der von uns gesichtete Güterzug konnte nun auf dem Hauptgleis durchfahren, welches beim Bahnhofsgebäude war und vom stehenden Kohlezug verdeckt war. Ojeoje.. bitte nicht!!. Der Kohlezug fuhr ein.. und wollte nicht mehr aufhören. Endlos viele Wagen hingen hinter der Lok, welche gaaaanz langsam einfuhr. Bange Minuten standen an, denn das Pfeifen des richtigen Zuges war schon zu hören gewesen. Ganz langsam zogen die Wagen an uns vorbei.. und glücklicherweise auch schon das Ende der Wagenschlange. Nun war jeder Meter die zurückgelegt wurden dem Motiv förderlich. So kam es dann, dass der überholte Zug an unseren Linsen vorbeizog, als rund 8 oder 9 Wagen nicht mehr verdeckt waren. Glücklicherweise handelte es sich bei unserem Güterzug auch um einen Kohlezug, so fiel das ganze nicht mehr sooo fest auf =). Im Gegenzug zur Wartezeit hier im Bahnhof, drückte die Sonne bei der Durchfahrt voll auf die Lok drauf. Und um was für eine Lok handelte es sich? Genau.. um eine Lettische  TEP10. War nun unser Glück für den Tag aufgebraucht? Ne, hoffentlich nicht!

 

2TE10 0218 im Bahnhof von Jersika auf dem Weg nach Daugavpils

  In der nähe von Vingri kreuzten eine 2M62 mit M62 1227.
 

Wir konnten den Bahnhof abhaken und fuhren weiter, immer in Richtung Süden. Wir versuchten den Zug noch einmal einzuholen und schafften dies auch in Vingri. Hier wurde der Russenpower noch einmal abgelichtet, doch diesmal ohne wirklich viel Sonnenlicht. Schade!

Da wir auf dem Weg dorthin noch eine mögliche nette Stelle gesehen hatten, fuhren wir noch einmal ein wenig zurück. Bei einem im Wald gelegenen Ausweichbahnhof parkierten wir unseren Flitzer und liefen ein wenig die Gleise entlang. Ca. 2km nördlich des Bahnhofes verlief die Bahn durch eine offene Fläche, welche wir vom Waldrand aus prima einsehen konnten. Nun war Geduld gefragt. Auch hier liefen wir wieder der Gefahr, einen stehenden Zug vor dem Durchfahrtsgleis zu haben. Unsere Chancen standen wohl 50%, entweder war der südwärts fahrende Zug schneller und musste in die Ausweiche, was für uns gut war.. oder der norwärts fahrende blieb stehen, was uns die Sicht auf den südwärts fahrenden nahm. Kann natürlich auch sein, dass nur ein durchfahrender Zug kam. Es kam wie es kommen musste. Unsere Geduld wurde mit einem norwärts fahrenden Zug auf die Probe gestellt. Logischerweise war nun die Strecke für gut 20min belegt. Im Schatten des Waldes wartete es sich angenehm. Rund eine halbe Stunde später stellte das Wiederholungssignal in unserem Rücken von dunkel auf Gelb. Ah.. Zug aus Norden, praktisch. Doch wieso Gelb? Und das auf dem Durchfahrtsgleis? Grmbl.. bitte nicht! Ein lautes Dröhnen in unserm Rücken bestätigte unsere Befürchtung. Von hinten schien sich ein Zug auf das Ausweichgleis zu fahren. Vielleicht, vielleicht ist der Zug von Norden her schneller. Wir hörten ja schon das Wummern in der Ferne. Schneller war er nicht, doch unser Glück hielt an. Beim Nordwärts fahrenden Zug handelte es sich um eine einzige Lok. Zu unserem Erstaunen auch noch um eine normale M62. Ist das jetzt gut oder schlecht? Da von Vorne auch eine Doppeltrommel mit Oeler kam, kam es uns nur zugute. Nun konnten wir die beiden Loks nebeneinander knipsen. Netter Zufall.

 

DR1A 291.1 auf dem Weg nach Riga in der nähe von Nicgale

  2M62 0094 der LDZ mit einem Getreidezug bei Vabole Südwärts
     

Wieder zurück zum Auto gelatscht, fuhren wir weiter in Richtung Daugavpils. Zu unserem Erstaunen hatten wir den vorher fotografierten Zug bald schon wieder eingeholt, da er wohl noch mit einem Gegenzug irgendwo kreuzen musste. Wir versuchten unser Glück gleich hinter dem Dorf Nicgale, wo die Strasse mittels einen Bahnüberanges auf die andere Gleisseite wechselte. Leider wollte hier die Sonne nicht ganz so wie wir es mochten. Schön im Schatten huschte die Doppeltrommel an uns vorbei. Da die Stelle nicht sooo chic war, fuhren wir an den Bahnübergang vor dem Dorf. Hier war ein wenige mehr von den Feldern im Hintergrund zu sehen und ein Baudienstfahrzeug mit Bulldozer und Kran bot war auch noch auf dem Bild. Auch hier brauchte es wieder Geduld. Die Sonne spielte mit uns und unsere Position wechselte von Schatten auf Licht im Minutentakt. Als sich durch ein Lautes Hornen in der Ferne ein Zug ankündigte warteten wir gespannt ab. Als die Lok in unserem Sichtfeld erschien, liess ein Blick zur Sonne schlechtes vermuten. Schatten. Da es zum nächsten Bahnübergang hinter dem Dorf rund 1km Distanz war, hofften wir dort auf Sonne. So gings flux ins Auto und zum hinteren BÜ, wo die Doppeltrommel auch wirklich bei vollem Sonnenschein vorbeiwummerte. Nun aber wieder zurück zum anderen BÜ. Nicht mal 10min später wummerte es abermals aus Norden. Diesmal war es eine Russenlok, welche jedoch auch nicht bei vollem Sonnenschein kam. In der Halbsonne abgelichtet gaben wir uns unzufrieden und beschlossen diesem Zug abermals hinterherzufahren. Ein Blick zur Karte lies uns nicht viele Möglichkeiten. Einzige Möglichkeit den Zug noch einmal abzupassen war bei Vabole, wo die Bahn inmitten des Dorfes eine weit gezogene Kurve machte. Wir schafften es vor dem Zug hierher, doch Stellen waren dünn gesät. So musste in der Eile ein Bauerhof und ein Pferd, welches sich lieber hinter der Böschung versteckte als Motiv herhalten. Nicht sehr optimal gestanden, war es halb so schlimm dass die Sonne hier überhaupt nicht schien. Als Trostpflaster gab es ein Eis aus dem glich nebenan liegenden Dorfladen und wir warteten den nächsten Zug ab. Laut Fahrplan sollte auch ein Personenzug nach Daugavpils fahren, und dieser sollte in den nächsten 15min hier kommen. Abwarten. Es dauerte nicht lange, bis wir durch das Knirschen in den Schienen vorgewarnt wurden. Sehr zum Leidwesen von uns handelte es sich dabei um einen Neulackierten, Gelben DR1a mit Steuerwagen voraus. Wir warteten noch einen Güterzug ab, welcher auch prompt nach einigen Warteminuten nachkam, ehe wir die Stelle wechseln wollten.

     

 

2M62 0117 auf Leerfahrt nach Norden zwischen Vabole und Stopendi

  DR1A wieder zwischen Vabole und Stopendi

Bei der Herfahrt hatten wir im Stress noch eine Möglichkeit gesehen, welche nun im Licht sein sollte. Zwischen Vabole und Stopendi waren auf einem geernteten Kornfeld etliche Strohballen ohne „Verpackung“ sichtbar. Da die Strecke gleich parallel zum Feld verlief, wurde dies natürlich auch ausgenützt. Die Sonne stand noch für Züge nach Süden, weshalb wir es uns auch auf einem Strohballen im südlichen Teil des Feldes bequemten. Es folgte ein Zug nach Süden mit Doppeltrommel, ehe sich laut Fahrplan der Personenzug wieder ankündigte. Für diesen wechselten wir die Feldseite und konnten erkennen, dass sich am südlichen Rand ein Signal befand. Nun war es ein Leichtes, bei einem südwärts fahrenden Zug an den anderen Rand zu gehen. So warteten wir einige Züge ab, ehe die Sonne im Schleier am Horizont unterging und das Licht immer schwächer und schwächer wurde. Unsere Ausbeute konnte sich jedoch sehen lassen. Neben einem Personenzug, einigen Doppeltrommel und einer grünen Russenlok kam auch noch die rote, wahrscheinlich Neulackierte TE310 der Letten daher. Chic das ganze ;-).

 

Die rote LDZ 2TE10 zwischen Vabole und Stopendi

  Kesselzug nach Süden zwischen Vabole und Stopendi

Bereits kurz nach 20 Uhr war jedoch auch Schluss für den Tag. Wir fuhren auf der Autobahn nach Daugavpils auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Da laut Campingführer kein Zeltplatz in der Nähe zu finden war, beschlossen wir uns für diese Nacht wieder einmal ein anständiges Bett zu gönnen. Doch dies schien zum wiederholten male nicht leicht zu werden. Die ersten beiden eher günstig wirkenden Hotels waren voll. So blieb nur noch eins übrig, welches inmitten des Stadtzentrums lag. Nicht gerade günstig wirkend, schrie sich der Laden Konferenzhotel und war mit Abstand das höchste Gebäude der Stadt. Unsere Vermutungen wurden bei der Rezeption bestätigt. Rund das doppelte von unserem gesetztem Budget sollten wir für ein Zweibettzimmer. Als wir eher negativ klingend uns absprachen und eher einen „wir gehen lieber wieder“ Eindruck hinterließen, fand der Herr hinter der Theke noch ein „Sonderangebot für uns“. Für 25€ sollten wir ein Zimmer kriegen, welches keinen supertollen Ausblick auf die Stadt haben sollte. Dies war uns egal und die 25€ waren uns recht. So kamen wir zu einem wunderbaren Zimmer mit Bad für 25€/Raum. Nach einer hurtigen Dusche gingen wir nochmals in die Stadt um nach was essbaren Ausschau zu halten. Unsere Mägen jammerten nämlich nach einem essenslosen Tag schon ziemlich. Nach einem ausgezeichneten Mahl bei der Beiz um die Ecke und einigen Recherchen im Internet war auch schon 24Uhr und Zeit fürs Bett. Schließlich wollen wir ja das Morgenbuffet um 7 Uhr nicht versäumen =). n8

 

 
   
 

Hier findet ihr die Galerien von Daniel bzw. Nil (öffnet jeweils ein neues Fenster)

GALERIE DANIEL GALERIE NIL

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