Tag 98: Dienstag, 28.08.2007, Lipova Lazne  Holice, 129km

 

   
 
   
  Tagesbericht:
   
 

Nach einer ruhigen Nacht in unserem Motelzimmer wollten wir heute morgen früh genug aufstehen, um den ersten aus Süden kommenden Zug irgendwo an der Strecke abzulichten zu können. Erstaunlicherweise standen wir dann auch zeitig auf und fanden sogar eine passende Stelle für die Knubbelnase.

Irgendwie herrschte jedoch in unsere „Planung“ ein wenig Unordnung und so standen wir eigentlich an der falschen Stelle, da zuerst ein Zug von Jesenik kommen würde. Doch irgendwer meinte es heute gut mit uns, und so hörten wir beim Warten im Auto ein lautes Drööt durch das Tal hallen. Hä? Genau, Güterzüge gab es ja auch noch. Wir rannten beide so schnell wie möglich den Hang hoch und erwischten in letzter Minute die 749 mit ihrem Kurzgüterzug. Glück gehabt, währen wir zuerst zur Stelle für einen Zug nach Süden gefahren, hätten wir dem Gz nur zugeschaut.

Nun, eigentlich wollten wir uns die Stelle für den nächsten Personenzug aus Süden vormerken, doch jetzt ist diese irgendwie gegessen, da für den Gz pralle Sonne schien. Doch wohin für den Personenzug nach Olomouc? Eine prima Stelle für einen Südwärtsfahrenden Zug hätten wir ja auf Lager gehabt, doch das Licht wollte hierfür erst in 2h passen. Perfekt für den nächsten Fernverkehrszug. Da wir laut Bericht unseres bekannten eine Stelle hinter dem Ausfahrsignal von Ostruzna finden sollten, fuhren wir zum Bahnhof und liefen entlang der Strecke. Hmm.. irgendwie hatten wir uns, oder er, da vertan. Außer dichtem „HänselundGretelwald“ war da überhaupt nichts zu finden. Die Zeit für den Zug wurde jedoch immer knapper und knapper und so blieb uns nichts anderes übrig als diesen im Bahnhof zu schiessen.

Vermuteten wir aufgrund des Behindertenabteiles und des Köfferchen im Kursbuch eine lokbespannte Garnitur, waren wir um so mehr erstaunt als ein Triebwagen auftauchte. Hmm.. auch chic so, doch eine Lok währe uns lieber gewesen als ein oller 843.

 

749 250 mit einem kurzen Güterzug nach Lipvoa Lazne vor Ostruzna

  843 029 aus Jesenek im Bahnhof von Ostruzna
 

Da der Personenzug aus Süden auch bald hier sein würde, wollten wir im Bahnhof nicht mehr länger viel Zeit verbringen. Nach der Nachfrage beim Bahnhofsvorstand, wann den der nächste Güterzug hier sein sollte wechselten wir in etwa an die Stelle von vorhin. Güterzüge sollten bis Nachmittags um 3 keine mehr rollen und so warteten wir rund 200m von der ersten Stelle auf den Personenzug aus Olomouc. Durch ein lautes wummern und stampfen in der Ferne wussten wir schon lange vor durchfahrt des Zuges über dessen kommen bescheid.

Prima, noch schnell ein paar Gräser aus dem Weg räumen und strammstehen. Zwar nicht im vollen Sonnenlicht, jedoch gut angestrahlt erschien eine rot-beige 749 mit einem 4 Wagenzug. Mal etwas Abwechslung zu den sonst alltäglichen Brillen. Die Lok währe ja nett, doch irgendwie hatte dieser Loktyp ein Problem mit abgelagerten Wasser auf der Nase. Wieso und warum, wir wussten es nicht, konnten jedoch bei allen Loks erkennen, dass sich da massiv Rost bildete und der Lok ein ziemlich siffiges Aussehen verschafft.

Nach dem Personenzug hatten wir erst einmal Pause. Mit knurrendem Magen fuhren wir ins das Dorf mit dem Bahnhof zurück und wollten nach etwas essbarem Ausschau halten. Unser Magen musste jedoch mit uns feststellen, dass sich weder ein Dorfladen noch ein grosser Einkaufsladen hier befand, und wir zogen wieder an die nächste Stelle weiter.

Auch wieder an etwa derselben Stelle wie vorhin, jedoch in Umgekehrter Richtung standen wir nun für den Sp aus Jesenik bereit. Wiederum musste etwas Kraut zusammen getrampelt werden, doch viel musste nicht leiden. Gerade als wir fertig mit waren, hörten wir auf der anderen Talseite auch schon wieder das bekannte Dieselgeräusch. Doch klang es irgendwie nicht nach Lok. Nein, wieder kam einer dieser Triebwagen, diesmal jedoch mit Steuerwagen voraus. Igitt!!! Es handelte sich dabei wohl um eine Komposition der Tschechischen Korridorzüge durch Polen. Da führt eine Strecke von Krnow nach Jesenik über den Polnischen Bahnknotenpunkt Glucholazy, wofür die CD Steuerwagenkompositionen einsetzt. Deswegen auch ziemlich einmalig im Land und darum speziell - Man kann alles gut reden wenn man will =).

Mittlerweile schon fast 12 Uhr waren für Züge aus Süden nicht mehr viel Möglichkeiten um diese im Licht aufzunehmen offen. Einzig der Abschnitt zwischen Lipova Lazne und Jesenik war noch möglich und so fuhren wir mit dem Auto entlang dieser paar wenigen Kilometer. Ausser Kraut, Häuser und Bahnport fanden wir jedoch nichts und die Zeit drängte immer mehr. Inmitten der Sucherei fuhr uns noch ein Altbautriebwagen vor der Nase durch, und geärgert gaben wir auf. Nichts zu finden hier. Da der Triebwagen mit dem Schnellzug aus Süden im Bahnhof von Lipova kreuzen würde, war uns bewusst, dass es wohl nicht mehr für die 749 reichen würde. Schade!. Trotzdem wollten wir noch den Bahnhof von Lipova Lazne anschauen, da sich dort ein kleines Bw befinden sollte. Doch wo war dieser Bahnhof. Nach mehreren Versuchen von der Strasse einen Weg zu finden waren wir beinnahe am aufgeben. Alles führte entweder in eine Sackgasse oder kurz vor den Bahnhof welcher nur über einen Trampelpfad erreichbar sein sollte. Doch eine Strasse musste es geben. Mehr durch Zufall fanden wir ein wenig ausserhalb des Dorfes ein Strässchen, welches in Richtung Bahnhof führen konnte. Wir bogen ein und fanden darauf den Weg zum gesuchten Objekt.

Komischerweise standen noch eine Menge Leute rum, welche wohl nicht in den bereit stehenden 810er nach Javornik passen würden. So gingen wir davon aus, dass der Sp aus Süden reichlich Verspätung haben dürfte. Eine Güterrampe ermöglichte uns eine passende Fotoposition zu finden und wir lichteten die wenige Minuten nach unserer Ankunft einfahrende 749 neben dem 810er ab.

 

749 246 mit einem R nach Jesenik kurz vor Ostruzna

  810 036 + 749 248 im Bahnhof von Lipova Lazne
     

Die Passagiere stiegen um, die 749 verschwand mit dem Zug nach Jesenik und der 810er bog in die andre Strecke ein. Jetzt war wieder Ruhe im Tal für eine kurze Zeit. Jetzt war für uns genug Zeit, um noch einen kurzen Blick hinter die im weg stehenden Wagons ins Bw zu werfen. Ausser viel Personal, welches irgendwie untätig rumsass, fanden wir nichts weiter als einer blauen 749, welche vor dem kleinen Schuppen bereitstand.

Kurz abgelichtet wagten wir wie schon einige Male heute morgen einen kurzen Blick in den Himmel zu werfen. Düstere Wolken zogen auf und wabberten langsam unsere Sonne zu =(. Das nächste Foto sollte ein südwärtsfahrender Triebwagen sein, wo wir uns auch sicher waren dass es einer war. Auf dem Weg dorthin fanden wir noch einen kleinen Dorfladen, in welchem wir freizügig unseren Hungergelüsten nachgingen. Gross war die Auswahl ja nicht, doch fand sich in der Fleischtheke noch ein Stück Schinken und im Brotgestell eine kleine Packung geschnittenes Brot. Prima. Um das ganze ein wenig aufzupeppen noch eine Dose Mayo dazu und perfekt war unser Mittagessen =).

Wir fuhren zurück zum Bahnhof von Branna, welchen wir vorhergehend gesucht hatten und spachtelten in Ruhe ausgiebig. Anhand der Leute, welche zum Bahnsteig strömten ahnten wir, dass ein nordwärtsfahrender Zug kommen sollte. Theoretisch uninteressant, da dieser ja eh nirgends im Licht kam. Die Bahnhfsausfahrt bot sich jedoch auch prima für einen Nachschuss an.

Über dem Bahnhof trohnt im Dorf ein riesiges Schloss, welches leider ungemein von Bäumen verdeckt war. Nur noch ansatzweise waren die Grundzüge zu erkennen, gerade genug um es als „Motiv“ abstempeln zu können. Da ja eh keine Sonne schien, war es um das Foto eh nicht schade. Zu guter letzt handelte es sich dabei noch um einen einzelnen 810er und wir konnten ohne schlechtes Gewissen wieder zurück zum essen gehen. In etwa dasselbe passierte auch für den 843er, welcher rund eine halbe Stunde später ankam. Keine Sonne, Seite total dunkel.

Als nächster Zug war der Sp aus Brno angekündigt, für welchen wir eine prima Querschussmöglichkeit bei der Ausfahrt von Ostruzna auf Lager hatten. Da noch einige Zeit verging, parkierten wir unser Auto passend und warteten ab. Nach rund einer Stunde Wartezeit war es dann soweit und wir gingen zu Fuss zur Stelle hoch. Ein Blick auf den Bahnhof zauberte wiederum ein „Hä?!?“ in unser Gesicht. Es zeigten sich 2 Züge mit 2 Lokomotiven in der Ausfahrt. Wo kam die ein denn her? Der Sp aus Brno fuhr ab, an unseren Linsen vorbei wobei es natürlich mehrmals „klackklack“ machte. So, und jetzt zum Bahnhof und gucken. Um so grösser war die Erstaunung dass der Zug polnische Wagons hinter der 749 führte.

     

 

749 259 abgestellt im BW von Lipova Lazne

  749 246 mit einem R aus Jesenik kurz vor dem Bahnhof Ostruzna

Schnell fanden wir raus, dass es sich dabei um einen neuen Grenzüberschreitenden Zug nach Polen handeln kann, welcher hier im Bahnhof Tagsüber abgestellt wurde. Den hatten wir ja glatt verpasst, schade. Währen doch polnische Wagons noch speziell gewesen! Langer Sinn und kurze Trauer, es „eilte“ schon bald wieder für den südwärtsfahrenden Schnellzug. Rund 1.5h Stunden später dröhnte es aus Richtung Jesenik und eine rote 749 erschien mit einigen grünen Wagons hinter der Kurve. Klickklick, Bild prima aufgenommen ;-). Laut Kursbuch sollte dieser Zug mit einem anderen im Bahnhof hinter unserem Rücken kreuzen. Wenn wir richtig getüftelt hätten, so müsste dies der einzelne Altbautriebwagen von vorhin sein. Dies hiess Stelle wechseln, zwar nicht weit weg, doch waren es einige Meter Fussmarsch. Hände aus dem Hosensack und rennen, da der BÜ schon wieder zu bimmeln anfing. Gerade rechtzeitig reichte es und die Sonne schien im richtigen Moment auf die Strecke. Es war der Altbautriebwagen =).

 

Nähmaschine auf dem Weg nach Jesenik bei Ostruzna

  810 629 fährt in den Bahnhof von Dolni Lipka ein

Ein erneuter Blick zum Himmel liess böses ahnen. Dunkle Wolken näherten sich immer mehr der Sonne und ein totales Zusiffen des Wetters stand nahe bevor. So beschlossen wir hier abzubrechen und in die Region Holice zu wechseln, um von dort etwas an der Hauptstrecke 010 zu unternehmen.

Gemütlich fuhren wir entlang der Hauptstrasse, stetig mit der Eisenbahn. Wohl mehr durch Zufall überholten wir den südwärts fahrenden „Schnellzug“ und konnten diesen kurz vor Hanusovice noch einmal ablichten. Jetzt hiess es aber Abschied nehmen vom tschechischen Semmering und quer durch die Hügellandschaft in ein ganz anderes Gebiet zu fahren. Bei Dolni Lipka entdeckten wir im Bahnhof noch einen blauen Schienenbushänger, welcher unser Interesse auf sich zog. Was war dass? Keine Ahnung wieso die blau waren, doch führte ein ankommender 810er ebenfalls ein blauer Hänger mit. Noch kurz das Rangiermanöver aufgenommen und ein nettes Bild mit Formsignalen bei der Ausfahrt geschossen, konnte es auch schon weitergehen.

Kurz vor 18 Uhr erreichten wir die Ortschaft Holice, wo wir ebenfalls zuerst ein Bild eines 810er’s im Bahnhof schossen. Danach ging’s gleich zum Campingplatz um nach einem Hüttchen zu fragen.

Die Dame an der Rezeption konnte weder Englisch noch Deutsch, doch eine Preisliste verriet uns, dass ein 2-Bettfass schön billig war. Wir nahmen mal an, es handle sich dabei um einen Übersetzungsfehler und beantragten ein „2-Bett-Fass“. Die Dame schaute uns nur kurz an und meinte wir sollen ihr folgen. Gleich hinter der Rezeption entpuppte sich, dass es sich dabei wirklich um ein „2-Bett-Fass“ handelte. Genauer um ein riesiges Holzfass mit einem Durchmesser von rund 2m. In den Boden wurde ein Fenster eingelassen, in den Deckel eine Tür. Darin waren 2 kleine Betten und ein winziger Tisch angebracht. Wir sagten nochmals zu und das Fass Nr. 31 gehörte für 2 Nächte uns =).

Kurz Umgebung abgecheckt und ab in die Stadt um was Essbares zu suchen. Lecker wars, leider rechneten wir nicht, dass man nach der Bestellung rund 30min aufs Essen warten musste, und quälten damit unsere Magen doch arg.

Nach einem Tagesabschlussbier liegen wir jetzt nach einem Erfolgreichen Tag im Fassbett und freuen uns auf den morgigen Tag an der Hauptstrecke der CD. Gn8 Nil, Gn8 Fass

 

 
   
 

Hier findet ihr die Galerien von Daniel bzw. Nil (öffnet jeweils ein neues Fenster)

GALERIE DANIEL GALERIE NIL

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