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Sonntag gleich Reisetag, einen
ganzen solchen muss man auch einplanen wenn man hier durch das halbe
Land will - nicht nur mit der Bahn sondern auch mit dem Auto. Da das
Autobahnnetz in diesem Land eigentlich nicht existiert, dauert es halt
immer ein wenig länger, und auch eine “Hauptreisestrasse" (also z.B die
Strasse 1) ist kein Garant für schnelles Vorwärtskommen. Im Gegenteil,
weil da immer ein Haufen Verkehr ist, kommt man meist langsamer voran
als auf einer normalen Hauptstrasse. Heute früh aber klingelte der
Wecker natürlich wieder zur gewohnten Zeit um 7 Uhr. Da ich aber nicht
sonderlich gut geschlafen hatte, liess ich den Wecker sein und beschloss
für mich noch im Bett zu bleiben. Da sich Pascal ebenfalls nicht rührte
ging ich davon aus, dass es ihm auch passt. So wurde es 9 Uhr bis wir
uns aus den Betten quälten, obwohl das Wetter wieder extrem gut war.
Kaum aufgestanden ging es wieder zum "Frühstück", welches leider auch
heute nicht überzeugen konnte. Wir packten dann alles zusammen,
natürlich nicht ohne etwas zu vergessen (mein Duschgel steht noch im Bad
da) und fuhren los. Wir wussten in etwa wo lang und so lautete das erste
Ziel des Tages Lugoj ... oder besser irgendeine Tankstelle da. Mitten in
der Stadt fanden wir dann eine OMV Tanke, und füllten dort unsere
Spritreserven wieder auf. Kaum raus aus Lugoj ging es über die ersten
Berge, oder besser gesagt Hügel. Auf einer kleinen Hauptstrasse ging es
in die Haupthauptstrasse 7, bis die Strasse 1 welche von Arad nach
Bucaresti führt erreicht wurde. Die Strasse warjedoch extrem schlecht im
Schuss war, wobei die Chruschinov Platten ziemlich verbraucht waren
(Anm. von Pascal Chruschinov ist Nil Spitzname für Nikita Chruschtschov,
und als Chruschinov Platten bezeichnet er die Betonplatten auf gewissen
Strassen). Das Auto lief, der Zingg schlief und ich war wieder mit 120%
hinter dem Steuer. Wenn man in der Schweiz 90% Aufmerksamkeit dem
Verkehr widmen muss, sind es hier 120%: Löcher in den Strasse,
überholende Fahrzeuge, Gegenverkehr auf der eigenen Spur ... eine
Sekunde nicht aufmerksam und schon ist etwas passiert. Eine Fahrweise
mit welcher ich mich erst anfreunden musste, mittlerweile habe ich
jedoch gefallen daran gefunden. Gefährlich nur, wenn ich gleich in
Finnland fahren würde, so Passiv wie die Fahren, würde ich da wohl als
extremer Verkehrsrüpel im Nullpunktnix im Bunker landen ;-) . Kurz
hinter Deva drückte meine Blase und ich wollte mal rechts ranfahren,
parallel war die Bahn und ich dachte, beim nächsten BÜ: „Fahr mal rein“.
Der kam dann gleich und war, Zufall, geschlossen! Direkt am HP Geoagiu
parkierten wir also unser Auto in den Schotter und stellten uns mal hin.
Zugleich kam auch ein ex. SNCF Triebwagen der CFR als Regio im Licht in
Richtung Deva gefahren. Ein netter Zufall, welchen man natürlich an
einem Wechseltag immer gebrauchen kann. Weiter ging es dann auf der
Strasse 1 in Richtung Sibiu. Doch irgendwo etwa 20km vor Sibiu, ich war
gerade wieder mit einer aggressiven Gruppe von Fahrzeugen daran einen
Schleicher zu überholen, stockte der Motor wieder. 110, 4 Gang, Pedal
voll unten und es geschah nichts, im Gegenteil, die Geschwindigkeit
wurde langsamer und die Tourenzahl nahm ab. Scheisse, nicht schon
wieder, das Problem ist ja bekannt! Ich probierte etwas, schaltete
runter, hoch, gab Gas, nahm Gas weg ... es kam kaum etwas. Als es dann
durch die Lüftung wieder zu stinken begann, war ich davon überzeugt,
dass wieder Endstation war. Ich stupfte dann Zingg und gab ihm zu
verstehen, dass es gleich aus sei mit der Karre. Sein Kommentar: „Nur
huere Lämpe mit dem scheiss Charre!“ Dachte ich auch. Ziel war jetzt
noch so weit in Richtung Sibiu zu kommen wie möglich ... und auf einmal,
lief die Karre wieder wie immer, nicht ganz rund, aber sie lief. Wir
fuhren dann bis Sibiu rein und setzten uns erstmal in einem MCD an der
Strasse und assen etwas. Überlegten dabei: Wie weiter? In Sibiu bleiben
und morgen zu Chevi gehen, um es mal checken zu lassen, oder weiter
versuchen nach Brasov zu kommen und erst etwas unternehmen falls es
nicht mehr geht? Wir entschieden uns für zweiteres und dachten, das
passt schon, er läuft ja wieder. Ich nahm noch kurz die Hörprobe bevor
wir den Parklatz wieder verliessen. Es lief erstaunlich gut, kein
einziges Mal spuckte der Schlitten wieder. Als dann kurz vor Avrig an
einer Nebenstrasse ein BÜ geschlossen war, traute ich mich das erste mal
wieder das Auto ab zu schalten. Kaum am BÜ vorne, kam der Zug auch
schon, mit einer 65er bespannt kam ein Schnellzug von Bukarest nach Timi
an uns vorbei, das Licht passte eigentlich, aber nicht für das Telebild,
welches einiges besser wurde als das normale. |
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CFR
Elektrotriebwagen (ex SNCF) bei Geoagui (in der nähe von Deva) |
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65 1179 mit einem Zug von
Brasov nach Sibiu bei Avrig |
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Ohne Halt ging es dann weiter bis
hier nach Brasov, amüsiert nur von den Beerenverkäufern, welche überall
am Strassenrand standen und ihr Ware feilboten. In Brasov angekommen
suchten wir schon bei der Einfahrt nach einem Hotel oder einer Pension,
erfolglos. So bog ich dann bei einem Kreisverkehr erstmal in Richtung
Gara ab. Auf der Suche nach einem Kursbuch wurden wir wieder enttäuscht,
die Frau an der Info hatte zwar eins und meinte: „Dieses hier?“ Sagte
dann aber das sie keine solche zu verkaufen hätte ... *grummel*. In der
Innenstadt suchten wir dann ein Hotel, was wie erwartet nicht gelang.
Das erste sah extrem herunter gekommen aus, hatte nur ein Zimmer für
zwei Nächte und war eigentlich etwas zu teuer, das zweite war mit über
600 Lei (ca. 300 Franken!) pro Nacht viel zu Teuer. So kramten wir mal
unsere Notizen nach vorne und schauten uns die Tipps für Hotels an,
welche wir von Rumänien erhalten haben. Etwas direkt in Brasov war aber
nicht dabei, da wir aber nicht nur die E-Piste machen wollen, wollten
wir möglichst zentral bleiben, und da war Brasov ideal. So fuhren wir
mal weiter auf der Strasse 1 in Richtung Bucuresti, um am Stadtrand
etwas Günstiges zu suchen. Es gelang, das letzte Haus vor dem grossen
Wald ist eine nette Pension (Castel heisst die), welche Zimmer für 80
Leu pro Nacht vermietet, was ja schon fast Geschenkt ist. Natürlich muss
man dabei auf einigen Komfort verzichten, die Dusche hat Ihren Namen
kaum verdient, kein Internet, kein funktionierender TV, keine
Klimaanlage etc. Aber für den Preis kann man nichts sagen und das
wichtigste: Es ist Sauber und bisher ist uns im Zimmer nichts Lebendes
entgegen gekrochen :). Das dumme an der Lage des Hotels, die Haupstrasse
1 geht direkt vor dem Zimmer durch, das gute daran, 5m weiter hinten ist
die Bahn, der Balkon geht in diese Richtung raus und so sitzen wir jetzt
hier und schauen ein wenig den Zügen nach, bei einem kleinen Snack
welcher wir hier unten gekriegt haben - extrem gemütlich! Nach unserer
Ankunft wollten wir aber nochmals in die Stadt, etwas zu trinken kaufen
und noch etwas für Pascal erledigen. Als wir das erste Mal durch die
Stadt fuhren, sah er nämlich, dass ein alter Bieler O-Bus verkehrt,
original Lack sogar noch mit dem Bieler Stadtwappen. Als halber Bieler
war er extrem angetan von den Kisten und drängte dazu, doch noch ein
Bild von einem solchen zu machen. Wir stellten uns dann an die
Wendeschlaufe der Buslinie und nach einiger Warterei kam dann auch einer
in der gewünschten Lackierung. Mir Wurst, aber der Zingg hatte jetzt 3
schlaue Bilder gemacht heute ;). Noch ein letztes Mal fuhren wir zum
Bahnhof, parkten aber nicht ganz am selben Platz. Was einen einarmigen
Clochard auf den Plan rief, der uns sofort nach der Ankunft bedrängte,
und Geld von uns wollte. Wir machten einen auf *ignore* und er zog ab,
um den Nächsten zu belästigen. Am Bahnhof fotografierten wir noch die
Abfahrts- und Ankunftstabelle, und besorgten uns einen Faltfahrplan von
der Privatbahn, welche mit den alten Carawelle Triebwagen zwei
Nebenlinien bedient. Auf dem Weg zum Wagen kam auch der Einarmige wieder
und wollte wieder Geld, wieder gab ich ihm zu verstehen, dass ich ihm
nichts geben werde, so zog er ab und belästigte sofort wieder den
Nächsten. Wir waren drin, die Türen waren zu und verriegelt, der
Rückwärtsgang drin, da rannte von hinten ein Junge ran, klopfte an die
Scheibe und machten die hohle Hand. Ich schüttelte den Kopf und fuhr
los, an seiner Geste sah ich, dass er nicht sonderlich erfreut über
meine Reaktion war. Meine einzige Angst ist jeweils nur, dass die einem
noch in die Karre treten wenn man ihnen nichts gibt. Darum haben wir
danach im Zimmer hier unser Kleingeld gesammelt, damit wir den
Herrschaften das nächste Mal etwas geben können. Hier in der Pension kam
dann aber noch das kleine Hüngerchen, welches wir auf dem Balkon nicht
mit Müller Milchreis sondern mit einem Salat und Pommes stillten.
Währenddessen war ein Auge aber immer bei der Bahn und beobachtete die
diversen Nachtzüge. Morgen gehts mal an die Hauptstrecke, wir lassen uns
überraschen, rechnen aber beide damit, dass es nichts grossartiges
werden wird, dafür gibt es zuviel grünes Zeugs in diesem Land. |
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