Tag 42: Dienstag, 02.09.2008, Poprad  - Poprad, 148km

   

 
 
 

Sonnenschein, schon wieder war es strahlend schön und die Tatraberge waren Wolkenfrei – verdammt, dieses schöne Wetter und wir hatten wieder nicht die grosse Lust etwas zu unternehmen heute beim aufstehen. Die Lust kam später dann zum Glück wieder, erstmal stand aber nur ein einziger Programmpunkt an: Chevygarage! Da heute Dienstag der erste Arbeitstag nach dem langen Slowakischen Wochenende ist war diese wieder geöffnet und hoffentlich bereit für unser Problem.

Wir schliefen gemütlich bis um 8 Uhr und setzten uns dann ans Frühstück, wo es heute anstatt eine Zwiebelpaste eine leckere Tartarensauce gab – auch nicht verkehrt. Nach dem Frühstück fuhren wir mal zur Garage, was gar nicht so einfach war wie gedacht. Den Unmengen an Autos wollte in die Gleiche Richtung wie wir. Was am Kreisverkehr scheiterte, dieser war gottlos überfüllt und da wir aus einer Nebenstrasse in die Hauptstrasse einbiegen wollten lies uns und alle anderen auch niemand rein. Daniel wendete dann gekonnt und wir fuhren einen kleinen / grossen Umweg um die Stadt herum. Wir Deppen, es wäre einfacher gegangen, haben wir aber erst später bemerkt ;).

 In der Garage angekommen suchten wir uns erstmal jemand mit Deutsch oder Englisch Kenntnissen (sollte in Deutschendorf wohl erwartet werden dürfen). Englisch war möglich, aber nur sehr beschränkt, so packten wir den Mitarbeiter am Arm und zeigten ihm unser „Problem“ vor Ort am Objekt. Er verstand und begann zu rechnen, zu schreiben und meinte, dass es schon so 3 – 4 Tage dauern würde. *ompf*, was bitte? So lange .. hmm, also möglicherweise am Freitag fertig, vielleicht auch erst am Montag – in einer Woche! Was wollten wir so lange hier?

Ich fragte dann wann wir kommen sollen mit dem Wagen, dann meinte er nach einer weile und nach der Nachfrage bei seinem Kollegen – am Donnerstag. Na gut, das klingt schon besser … und dann fragten wir zur Sicherheit noch nach dem Preis. Er begann zu rechnen und schrieb 9000 Kronen auf einen Zettel. 450 CHF? Wow, so viel? Aber was bleibt uns anderes übrig, dachten wir … und liefen mit ihm nochmals raus. Er schaute dann noch mal etwas nach uns korrigierte den Preis runter auf 7500 Kronen. Wir verstanden seine Notiz zwar sprachlich nicht, sahen aber dass er 5 Einheiten aufgeschrieben hat, wohl die Anzahl stunden.

7500 Kronen klangen schon besser, trotzdem baten wir ihn noch kurz um etwas Geduld – wir mussten uns zur Beratung zurückziehen. Erstmal rufte Daniel beim Ilg an, nachfragen was den so ein Fenster bei ihm kostet, weil theoretisch hätten wir ja auch so zurück fahren können mit der kaputten Scheibe, ginge schon irgendwie. Er meinte dann aber das er es (und wohl niemand) günstiger machen würde als 400 CHF, eher sogar mehr.

Nächster Gedankengang, wollen wir wirklich bis am Donnerstag hier bleiben oder sollen wir die Scheibe bei einer Garage „bestellen“ an einem neuen Ort wo wir dann hinfahren würden? Ach, alles Käse, wir gaben dem Herren dann bescheid das wir einverstanden sind und wir am Donnerstag wieder kommen würden, er bat uns um 7 Uhr zu kommen *uff* ;)

Wir sind also schon etwas erstaunt, 5h um eine Scheibe zu ersetzen? Was ist den da gross dabei? In 5h wird doch bestimmt so ein ganzer Matiz zusammen gesetzt bei Chevrolet in Japan / China oder woher die auch immer kommen ;)

Zurück im Zimmer, es war bereits etwas nach 10 Uhr suchten wir etwas Ablenkung im Internet ehe wir doch noch etwas machen wollten mit dem angefangenen Tag. Erstmal in die Stadt, Ansichtskarten kaufen und dann noch an die Strecke, wieder nach Osten, auch an den Ort des Verbrechens, mal die nähere Umgebung etwas genauer absuchen, vielleicht liegt ja irgendetwas von unserem Krempel noch rum.

Wir liefen alsbald in die Stadt, kauften uns Ansichtskarten und brauchten nur noch Briefmarken. Auf dem „Postamt“ stellten wir uns in die Reihe und warteten eeewig, 15min später kamen wir dran um fest zu stellen das dies die Postbank und nicht die Post sei, Briefmarken haben sie nicht. Toll ;) Wir liessen uns noch schnell den Weg zur Post erklären und liefen dann dahin, das Gebäude ist sehr schön unscheinbar, nur klein steht Post drauf . Da drin mussten wir dann aber immerhin nicht anstehen um unsere Marken zu erhalten. Gegenüber der Post setzten wir uns dann noch in einen Imbiss und gönnten uns einen kleinen Snack für zwischendurch.

Die Stadt ist aber wieder komisch, am Abend Menschenleer war sie um die Mittagszeit umso voller … an einem normalen Arbeitstag.

Zurück in der Pension, es war kurz nach Mittag legten wir uns wieder etwas hin, bei dem Hochlicht muss man ja nicht raus und die Stelle welche wir anfahren wollte war geschätzt erst ab ca. 14 Uhr im Licht.

Verpasst haben wir während dem entspannen nicht, es fuhren nur etwa zwei Güterzüge vor unserem Fenster vorbei. Um etwa 14 Uhr brachen wir dann auf, an die erste Stelle bei Markusovce – grossartig Lust um etwas neues zu suchen hatten wir nicht, wir suchten eigentlich nur noch einen Lückenfüller bis zur Abendstelle bei den Zigeunern.

 

163 111 mit einem Regio nach Poprad bei Markusovce

  183 016 mit einem Güterzug nach Westen bei Markusovce
 

An der Stelle angelangt parkten wir und liefen hin, es kam in der nächsten Stunde viel, aber und auch fast alles was wir wollten, ein blauer Gorilla, ein altlack und ein neulack Knödel und sogar noch eine 82er mit Güterzug. Was aber nicht kam war eine Doppellok – die wollten wir aber. Wenn schon Tatrabahn dann bitteschön auch mit Doppelknödel.

 

 

350 01X mit dem Fernverkehr nach Bratislava ...

  ... und nochmal ein Regio nach Poprad mit 183 107 bei Markusovce
 

Die von uns gesetzte Deadline war dann aber erreicht und wir fuhren ohne Doppelknödel, weil der Fernverkehr aus Kosice drückte, um den an der Zigeunerstelle noch zu erwischen war etwas eile gefragt. Kaum waren wir im Wagen rollte oben natürlich ein Güterzug mit einer Doppellok vorbei, dass beste daran aber, sie wurde von einem Gegenzug zugefahren *ätsch*, so hätte es uns nur noch mehr genervt.

Zum Glück aber brachen wir auf bei unserer toten Linie, denn kaum an der Stelle bei Richnava angelangt rollte auch schon der Fernverkehr durch. Leider mit einem blauen Knödel und nicht mit einem Gorilla … Zu unserem Glück folgte nach 5min ein Güterzug mit Doppellok welchen wir noch an der Stelle erlegen konnten.

 

 

Knödel mit dem Fernverkehr von Kosice nach Bratislava bei Richnava

  131 mit einem Güterzug nach Westen bei Richnava
 

An dieser Stelle war das Licht dann schon wieder weg, für den nächsten Fernverkehr hatten wir eine Stelle Spisske Vlachy im Kopf – für diesen wollten wir wieder dahin.

Erstmal begann dann aber die Suche am Rastplatz und am Strassenrand auf den nächsten paar Kilometern nach unseren Habseeligkeiten. Als beim nächsten Rastplatz auch nichts zu finden war gaben wir auf, dann haben die Buebm wohl auch gefallen an den Rücksäcken gefunden und nicht nur an unserem Zeug in ihm drin.

Wir fuhren zurück und fanden bei RIchnava noch eine andere Stelle welche eigentlich recht nett aussah. Wir parkten in einer Parkbucht oder Bushaltestelle und liefen zur Stelle direkt an der Strasse.

Beim durchfahren da sind uns schon immer die vielen Personen aufgefallen, die auch Brot und Beeren verkauften an der Strasse … dass was wir nun sahen erwarteten wir aber nicht. In einem kleinen Tal drin war eine recht grosse Romassiedlung angelegt. Primitive Hütten standen da im Tal drin, und dann nicht wenige … aus Holz und Wellbech zusammen geflickt. Überall im Dorf und auch auf dem „Platz“ davor war Betrieb, kleine Kinder, alte Männer und ganze Familien standen rum und schienen sich die Zeit zu vertreiben. Unbeirrt davon standen wir direkt auf der anderen Strassenseite hin und schauten auf die Strecke. Es dauerte nur Sekunden da hatten wir das Gefühl vom ganzen Dorf angegafft zu werden, wieder nur wenig später kamen die ersten Kinder zu uns und schauten uns ganz genau an … zogen dann aber wieder ab – sie wollten aber nichts haben, haben also nicht gebettelt. Hat man uns also akzeptiert?

Mein Fehler, dass ist mir erst da aufgefallen, ich hatte die Kamera „offen“ mitgenommen, nicht in einer Tasche drin hab ich sie mir einfach um die Schulter gehängt, vielleicht nicht das beste da mit einer Kamera vor der Siedlung zu stehen – wer weiss was die in uns für eine Bedrohung sehen? Aller Ansicht nach eine so grosse Bedrohung, dass gleich 3 Männer, etwa in unserem Alter, von einem älteren „abkommandiert“ wurden und zu uns liefen. Die drei stellten sich wortlos hinter uns an die Leitplanke, keiner sagte auch nur ein Wort, wir plapperten weiter untereinander kamen uns jetzt aber etwas bedrängt vor. Weil die 3 die standen da, taten nichts, schauten uns nur an und standen da.

Wir kramten dann im Kursbuch rum und mussten feststellen das der Fernverkehr erst in 20min hier sein sollte. Wir entzogen uns dann der Situation und traten die Flucht an, wir liefen gemächlich zum Wagen zurück. Immer in der Hoffnung das uns die anderen nicht nachlaufen, weil die ganze Sache war uns nicht mehr ganz geheuer da. Wir waren froh als wir im Wagen sassen und davon fuhren,

Nur zum klarstellen, ich habe nichts gegen die Leute (Roma oder Zigeuner oder was auch immer) da, denen geht’s nicht sonderlich gut, ich will auch niemanden vorverurteilen, aber diese „Getho“ da im Tal drin mit den anscheinend unterbeschäftigten Bewohner ist mir suspekt, da würde ich mich kein zweites mal hinstellen – wer weiss was die alles machen wenn die sehen das es bei uns etwas holen gibt.

Die Siedlung da wird aber anscheinend geduldet – ich würde aber fast Wetten das irgendwo da in einer Hütte unsere Krempel lag, wir hatten schon Ausschau gehalten ob nicht jemand mit unseren Klamotten rum läuft ;) Hätten wir gewusst was da im Tal drin alles los ist hätten wir unseren Wagen letzten Samstag garantiert nicht 300m davon entfernt unbeaufsichtig geparkt – never!

 

 

362 013 mit einem IC nach Bratislava bei Spisske Vlachy

  131 im letzten Licht mit einem Güterzug nach Westen bei Spisske Vlachy
 

Erleichtert fuhren wir dann an die letzte Stelle des Tages und waren froh, dass auf der Strasse wo wir geparkt hatten kaum etwas los war, auch war unser Wagen vom Feld aus super ein zu sehen … wichtig! ;)

An der Stelle kam dann der Fernverkehr wieder mit einem Knödel und zwei mal ein Güterzug mit einem Doppelknödel. Das Licht wurde büchsig und mit der Zeit fanden uns die Stechmücken, was uns dann fast etwas fluchtartig vertrieb.

Zurück in Poprad besorgten wir uns im Bila etwas kleines zu Essen, das Mittagessen war immer noch nicht voll verdaut und besetzte noch den Platz im Bauch für etwas rechtes. Jetzt sitzen wir wieder hier, wir bereiten uns mit unserem gekauften Kotzelbier auf einen Film vor … viel Spass!

 

 
   
 

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