Tag 49: Dienstag, 09.09.2008, Karvina  - Karvina, 131km

 

 
 
 

Nachdem es gestern Abend noch stark geregnet hat zeitweise sollte es heute schön sein, sollte … den so recht daran geglaubt haben wir nicht. Daniel bekam das schöne Wetter dann aber direkt zu spüren, da die Sonne ihn durch die Fenster um kurz nach 7 Uhr in die Birne zündete. Leider nutzte er die Gelegenheit aber nicht um aufzustehen sondern nur um sich um zudrehen, was aber halb so schlimm war, denn der Wecker rüttelte uns keine 30min später eh wieder aus dem Schlaf. So wurde es dann genau 8 Uhr bis wir rauf zum Frühstück liefen und uns da an unserem Teller verköstigen, es gab ein Ei, Birchermüesli und *mampf* …

Der Plan für heute sah vor erst an der Strecke in Tschechien nach Bohumin etwas zu machen, Daniel hat da gestern aus dem Zug noch eine stelle gesehen, und dann rüber zu wechseln nach Polen an die am Sonntag noch gefundene Stelle mit dem Schrankenposten.

Was wir noch im Kopf hatten für die Mittagszeit war ein City Elefant zu Fotografieren, diese fahren vom Tschechischen Tessin nach Ostrava und auch diese Strecke ist nicht weit entfernt.

Wir fuhren aber erstmal aus der Altstadt raus und ich wählte beim Navi mal die Stelle an, wo sie den hätte sein können. Wir fuhren direkt da hin und es eröffnete sich uns eine „Fotostelle“, eine offene Kurve, ohne wirklichen Hintergrund, aber wir wollten mal abwarten, mit dem wissen nicht zu wissen wohin wir sonst sollen, weil in Polen kannten wir keine Stelle für die Früh und auch in Tschechien gibt es kaum etwas brauchbares als alternative.

 

130 014 mit einem Güterzug nach Polen bei Dolni Lutyne

  130 027 mit einem Güterzug nach Polen bei Dolni Lutyne
 

Als wir an den BÜ fuhren war er gerade geschlossen, so sputeten wir uns und stellten uns mit der Kamera auf den Weg. Es geschah nichts, nach etwa 2min ging der BÜ dann aber auf und die Trecker welche mit gehäckseltem Mais die ganze Zeit hin und her fuhren konnten durch.

Wenig später senkte sich der BÜ erneut und dann kam auch ein Zug. Erst eine S-Bahn mit einer 460er Komp. Und dann auf Parallelfahrt ein Güterzug mit einer 130er wohl auf dem Weg zur Grenze. Wir rechneten hier mit  etwas Verkehr, die Strecke nach Polen war noch drin genau so wie die Strecke runter nach dem Tschechischen Tessin bzw. Cadca in der Slowakei.

30min später kam wieder ein Güterzug mit einer 130er von vorne ehe sich wieder längere Zeit nichts regte. Ausser je einer S-Bahn pro Stunde und Richtung war jetzt Sendepause … es kam einfach nichts mehr von vorne. Der BÜ derweil senkte sich bei jedem Zug zeitig und ging dann erst etwa 5min nachdem der Zug durch war wieder auf, für die Trecker muss das extrem mühsam sein ;) Eine 363 kam dann nach einiger Zeit noch als Lokzug … und da war es schon 12 Uhr.

Wir schauten mal im Kursbuch und entschieden uns noch 45min an der Stelle zu verharren, es sollte sich gegen halb im Fernverkehr etwas tun, ein EC nach Warschau und einer nach Zilina war verzeichnet und wir rechneten mit einer Polen und einer ZSSK Lok und möglicherweise bunten Wagenkompositionen.

Der Polen EC kam dann pünktlich mit einer EP09 von PKP Cargo und einer reinen PKP IC Garnitur, der EC nach Zilina kam nicht pünktlich, und war minder interessant. Ein Neulack Knödel zog den Zug bestehend aus einer CD Komposition. Ich hatte die Stelle gesehen, es war zudem auch Sonnentechnisch höchste Eisenbahn zu verduften, der Frontschatten machte sich unangenehm bemerkbar.

 

 

460er S-Bahn auf dem Weg in Tschechische Tessin bei Dolni Lutyne

  EP09 033 von PKP Cargo mit einem EC nach Warschau bei Dolni Lutyne
 

Unser nächstes Ziel war die City Elefant Linie im Süden. Im Navi suchten wir mal einen Bahnübergang in einem offenen Gelände und glichen es mit unserer Karte ab, es sah nicht schlecht aus … Zeitlich waren wir gut dran, 30min zum hinfahren und dann hatten wir 20min für die Stellensuche ehe je ein Zug pro Richtung kommt.

Wir fuhren dann durch die interessante Gegend runter, interessant nicht wegen extra schöner Landschaft sondern weil man eigentlich überall irgendwelchen Minen und Kraftwerken entlang fährt … und das meiste schien noch in Betrieb zu sein. Als wir dann so fuhren und um eine Kurve bogen stand ein Mann auf der Strasse mit einer Kelle und winkte uns raus, phhu, Polizei. Verkehrskontrolli, dass verstanden wir, aber er uns nicht. So knallten wir ihm wieder alles hin was wir hatten und nach einem schiefen Blick seinerseits gab er uns etwas überfordert alles zurück und winkte uns weg.

Ohne weitere Verzögerung kamen wir dann an die Strecke und suchten uns zwischen Horní Suchá und Albrechtice u Českého Těšína eine nette Stelle. Was zum Glück möglich war, und nach einer kleinen Rodungsaktion passte auch ein City Elefant perfekt rein. Komischerweise kam dann der von hinten aber auf dem „falschen“ Gleis, er fuhr rechts .. und das obwohl wir immer dachten die CZler fahren links. Kam uns aber gerade recht und wenige Minuten später rollte der Gegenzug auf dem für ihn rechten Gleis gen Ostrava. Vom Bild begeistert packten wir ein und fuhren nach Polen rüber.

 

 

City Elefant von Cesky Tessini nach Ostrava zwischen Horní Suchá und Albrechtice u Českého Těšína

  EP09 035 mit einem EC von Warschau nach Prag bei Marklowice Gorne
 

Zur Sicherheit schauten wir noch schnell am Bahnhof von Petrovice u Karviné vorbei um zu sichten was so rumsteht. Von den PCC Loks war nur mehr eine da und auch sonst wirkte der Bahnhof eher gähnen leer als voll. Wir sahen aber bis auf die PCC Lok keine einzige Polenlok, was uns in dem Gedanken bekräftigte das im laufe des Nachmittages bestimmt noch Züge aus Polen kommen müssen und uns dafür in der ersten Phase nichts in den Rücken fährt.

Mit einem kleinen verfahrer erreichten wir dann unsere Stelle wenige Kilometer hinter der Grenze in Polen, stellten unser Auto ab und erfreuten uns das wir nicht zu früh gekommen sind, weil die Sonne war gerade am reindrehen. Wir versuchten uns dann mal zu stellen auf einem „Berg“ neben der Strecke. Es sah zumindest so aus als sei es einer, mit etwas Gestrüpp drauf. Dieses Kraut war aber >2m hoch und sehr dicht … damit einerseits deutlich grösser als wir und eigentlich nicht zu durchlatschen. Wir versuchten dann von hinten noch hoch zu kommen was aber wiederum am viel zu hohen kraut scheiterte.

Wir stellten uns dann an den einzigen möglichen Platz und warteten mal, und nicht lange da senkte sich der BÜ. Wir wussten sogar was kommen müsste, ein EC aus Warschau. Es tat sich aber nichts, 10min vergingen bis dann ein Zug von hinten anstatt vorne kam, es war ebenfalls ein EC. Wieder ging der BÜ runter und wieder dauerte es schier ewig bis der EC kam, wieder mit einer PKP Cargo EP09. Das Foto entstand um ziemlich genau 15 Uhr .. so, jetzt aber Güterzüge, dallidalli. Es dauerte dann aber über 2h bis der BÜ das nächste mal runter ging und eine ET22 mit einem Fiatzug nach Westen rollte, in den 2h geschah einfach nichts! Am Sonntag rollte das aber anders …

Das Licht war aber eh erst jetzt richtig gut und wir freuten uns als 15min später der BÜ wieder runter ging. Das muss wieder ein Zug nach Westen sein, ausser die Lok kommt leer zurück. Und das war dann leider auch der Fall ;(

 Während wir dann im Schatten auf die nächsten Züge warteten war im BÜ Posten Schichtwechsel, und die neue kam nicht mit dem Fahrrad wie die letzte sondern mit dem Auto und das parkte die unfotogen vor dem Wärterposten.

 

 

ET22 1118 mit einem Autozug nach Tschechien unweit der Grenze bei Marklowice Gorne

  EN57 1951 (die selbe wie gestern) als Regio nach Ostrava bei Marklowice Gorne
 

Dann wurde es lustig, wir sassen im Auto im Schatten und da seh ich die Polizei oder der Zoll an den BÜ ranfahren .. ich sag zum Wipf scho, schau die Schmiererei, wetten die kommen zu uns. Voillat, kaum bei uns hielt der Fiat Panda mit iuiuiu Licht auf dem Dach vor unserem Wagen, ein Uniformierter und zwei in Zivil sprangen raus und begannen uns zu belästigen. Papier blabla. Wir taten in diesem Falle was wir in solchen Fällen immer tun, dumm stellen und einfach alles an Papier hingeben was wir dabei haben. Einer nahm dann alles und verschwand mit dem Handy am Ohr im Panda. Ein anderer wollte dann das ich den Kofferraum öffne und mit seinen Gesten gab er mir zu verstehen – ausräumen! Ich tat dann etwas demotiviert und nahm erstmal nur die beiden Schlafmatten gemütlich raus, dann noch das Zelt und noch Daniels Schlafsack.

Das alles eröffnete dem Zollbeamten nur ein Blick auf unser Chaos – und sein Gesichtsausdruck sagte mir in etwa: Phuu, sauerei! Er lief dann weg und ich räumte alles wieder ein. Ich ging dann zum Wipf zurück und wir werweissten was die wollen, wir unterhielten uns auf Schweizer Deutsch und lachten ab und an, was die anderen irgendwie etwas irritierte.

Unsere Papiere waren anscheinend auch in Ordnung und der Trupp verzog sich, aber nicht weit, beim BÜ gingen sie ohne zu Klopfen hoch zur Dame und blieben etwa 10min da drin. Ob wohl die freundlichen PKP Frauen oder jemand der durchgefahren ist den Zoll gerufen haben? „Hallo, ja, hier stehen Ausländer schon den ganzen Nachmittag rum und machen nichts“. Wir waren dann auf jeden Fall froh als der BÜ sich senkte und wir demonstrativ mit unseren Kameras an die Strecke stellten, so dürfte dann auch dem letzten Depp klar sein was wir genau machen. Wäre mehr los gewesen wäre die Chance uns beim Fotografieren zu sehen grösser gewesen als beim Rumsitzen, aber so – schon etwas verdächtig, zugegeben.

Der BÜ senkte sich übrigens für eine Gomulka nach Ostrava welche mittlerweile im Büchsenlicht an uns vorbei zog. Ein Block hinter der S-Bahn räumten wir dann auch zusammen, da kommt wohl nichts mehr im Licht … wie immer mit einem letzten Blick im Grenzbahnhof fuhren wir zurück nach Karvina in die Altstadt. Wieder verbrachten wir den Abend mit einem leckeren Abendessen im gleichen Restaurant wie immer und anschliessend mit etwas Planerei für die letzten Tage und etwas TV gucken im Zimmer *gähn*.

 

 
   
 

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