Tag 12: Donnerstag, 16.07.2009, Glavinik - Pirot

 

 

         
    Srbja, wir kommen!
Die Fahrt raus aus dem Kosovo ging heute früh ja mit einem Tag „Verspätung“ los, aber dafür gemütlich. Für mich zumindest, nämlich schlafend auf der Rückbank ;) Schlafend weil die anderen schon um 7 los wollten, war mir recht und ziemlich egal, aber dann fahre ich nicht.
Wir lebten übrigens noch, die Nacht im Stundenhotel haben wir wiedererwarten schadlos überstanden. Und es war echt ohne Scheiss das allererste mal wo ich den Stuhl unter die Türklinke gestellt habe. Klingt zwar extrem Kindisch, aber alleine in einem Zimmer ist immer etwas anders als zu dritt, man gibt ein leichteres Opfer ab ;)
Die 30min bis zur Grenze vergingen natürlich schnell, da dann kamen wir ohne anstehen zu müssen an die Reihe, der Verkehr lief vor allem in die Gegenrichtung stockend.
Den Kosovo verliessen wir ohne Probleme, der Serbe war da schon etwas hartnäckiger, wir mussten den Kofferraum öffnen und wurden noch aus einem nicht ganz bekannten Grund angepöbelt, wir hätten irgendwo weiter vorne warten sollen. Aber schon klar, die Grenze ist eine Möglichkeit für die Serben die eher ungeliebten Kosovaren bzw. deren Besuch etwas an den Karren zu fahren ... würde ich vermutlich nicht anders machen.
Was uns noch interessiert, ob irgendwo vermerkt wird bei den Serben das wir im Kosovo waren? Im Pass natürlich nicht, die Kosovaren sind „schlau“ und es gibt kein Stempel sondern nur ein Einleger welcher behalten wurde. Aber es gibt doch sicher Computersysteme?
Wir waren dann aber durch und fuhren über die extrem schlechte Hauptstrasse auf gen Nis, der grössten Stadt im Südosten von Serbien.
Wir fanden gleich und ohne einen verfahren den Bahnhof, obwohl wir das eigentlich gar nicht primär wollten, aber wenn wir schon mal da sind. Der Parkplatz vor dem Gebäude war voll, so wollten wir uns WIE ANDERE AUCH hinter den Parkplätzen an die Strasse stellen. Dem Anwesenden Polizist gefiel dies aber gar nicht und schickte uns gleich wieder weg, njet Parking! So suchten wir uns etwas weiter weg was, der Platz war aber genau so wenig markiert ;)
Kursbuch gab es im Bahnhof aber leider keins, nur eine Kopie vom Internationalen Teil, dafür umsonst und besser als nichts ist das Ding auf jeden Fall.
Am Bahnhof sonst war nichts los, nur ein Wagen stand rum und einige Reisende schienen auf einen Zug zu warten ...
Mit kühlem Getränk im Gepäck ging es dann gleich weiter in Richtung Dimitovgrad.
Die Strecke von Nis dahin ist im Europäischen Korridor X enthalten, aber noch nicht Elektrifiziert, was natürlich von der Traktion her interessant ist. Zudem führt die Strecke durch das Tal der Nisava, was motivlich ebenfalls interessant ist. Landschaftlich toll, Traktion toll, Verkehr soll auch toll sein, also viele gute Gründe an die Strecke zu fahren.
Vom ersten Teil der Strecke bis Bela Planka durch den ganz Engen teil des Tals welcher auch Landschaftlich spektakulär ist waren wir etwas enttäuscht. Fototechnisch geht gar nichts, das Gebüsch wächst immer bis direkt ans Lichtraumprofil, zudem ist die Strasse auf der anderen Talseite als die Bahn. Möglich das irgendwo etwas geht, das sahen wir aber nicht direkt.
Wir fuhren an Bela Planka vorbei und sahen da dann auch die ersten Stellen, je weiter wir dann Richtung Dimitovgrad kamen desto besser wurde es. Vor Pirot holten wir dann per Zufall einen Güterzug auf der da häufig parallel laufenden Strasse ein.
Schnell war eine schöne Stelle gefunden und die erste Serben GM war im Kasten.
   
         
         
       
   

Jz 661 138 mit einem Güterzug nach Dimitovgrad (Bulgarien) vor Pirot.

   
         
   

Der Zug schlich dermassen das wir ihn nur 3km weiter hinten wieder eingeholt hatten. Stellen gab es da aber keine mehr, so dass wir erstmal Pirot ansteuerten.
Auf der Suche nach dem Bannhof da, zwecks Besichtigung und Kursbuchkauf bogen wir aber mehr als einmal falsch ab, so dass wir uns auf einmal auf der Ausfallstrasse rgt. Dimitovgrad befanden. Aber ein BÜ war in Sicht auf der breiten und geraden Strasse im waldigen und buschigen garnichts. Vielleicht geht da was? Also los auf den BÜ, mehr auf diesen als auf den Tacho achtend fuhr ich dann da hin ... und es kommt wie es kommen muss! Hinter einem Baum sah ich auf einmal ein blauer stehen mit einem schwarzen Kasten am Auge. Zeit zum reagieren war da nicht mehr, den im nächsten Moment stand er raus und pfiff mich rein.
Da haben sie mich also erwischt, das erste mal in meiner Karriere. Mir war klar, dass ich zu schnell war, wie schnell wusste ich aber nicht, 70 vielleicht? Was ist erlaubt? 60, oder noch immer 50 weil Innerorts? Als der ärmste vor mir den Platz verliess kam ich dran. Passport, Fahrzeugausweis ect. ... Der Junge und freundliche Polizist sprach (leider) gut Englisch und konnte mir alles erklären. Ich war also etwas zu schnell ;) ... im 50er, Kostenpunkt 3000 Komischgeld, ähh, Serbische Dinar. Also etwa 40 CHF. UIUIUI ... im Busgeldkatalog der Schweiz dürfte die übertrettung aber sehrsehr Teuer werden ;)
Als wir da standen ging der BÜ 50m vor unserer Nase zu, Pascal schlich sich davon und lief mit der Kamera da hin ... und schoss den Güterzug nett an der BÜ Szene.

   
         
         
       
   

Jz 661 138 mit dem Güterzug nochmals am hinteren Orts BÜ von Pirot. Während ich meine Busse bezahlen durfte konnte Pascal das Bild am BÜ direkt vor uns machen.

   
         
   

Etwas verärgert über mich selber fuhren wir nochmals durch die Stadt und fanden den Bahnhof am Stadtrand. Es ist erbärmlich, die Stadt ist nicht klein, der Bahnhof hat aber 4 Zugpaare und auch der Bahnhof ist nur noch ein Schatten seiner selbst ... das Gebäude ist verfallen und die Bahnanlagen in einem kaum befahrbaren Zustand, schade! Aber nicht erstaunlich, Politisch wird voll auf die Strasse gesetzt. Die Bahn wird vernachlässigt, die Fahrzeiten sind mit der Schnellstrasse überhaupt nicht konkurrenzfähig, über die Strasse dürfte auch der Bus kaum die hälfte der Zeit des Zuges benötigen. Die Strasse von Dimitovgrad nach Nis ist eine Rennstrecke, sehr breit, für alle Orte gibt es Umfahrungen und unter 80km/h kommt man eigentlich nie.
So schlecht die Strasse für die Bahn eigentlich ist, so gut kann man sie nutzen um die langsamen Züge zu verfolgen, was wir uns dann für die folgenden Züge auch zu nutze machen wollten.
Um die ganze Strecke gesehen zu haben fuhren wir nach der Bahnhofsbesichtigung durch nach Dimitovgrad, dem Grenzbahnhof zwischen Serbien und Bulgarien. Der Bahnhof liegt auf Serbischem Staatsgebiet und die Bulgaren fahren bis dahin, natürlich mit Strom, den die Bulgaren bis zum Grenzbahnhof gezogen haben.
Der Bahnhof selber ist eine grosse Baustelle zur Zeit, Fotografieren liessen wir also bleiben, wir konzentrierten uns da lieber auf den ankommenden Schnellzug aus Istanbul nach Belgrad. Das Licht auf dem grossteil der Strecke (nach Westen) ging gerade so, auch wenn 2h später besser gepasst hätte. Um das erste mal in unserem Leben eine Bulgarische Lok zu sehen fuhren wir der Strecke nach Osten mal weiter nach bis kurz vor die Grenze .. es ging ein wenig was und wir verteilten uns auf drei Positionen zwischen Grenze und Bahnhof.
Wir erwarteten den Zug also unter dem Draht und waren auf Bespannung und Komposition gespannt. Die drei durchfahrenen Länder versprechen ja einen bunten Zug. Wir teilten uns und warteten ... und pünktlich rollte die gelb/blaue ASEA Lok an ... mit zwei lausigen Wagen. Einem Bulgarischen Liegewagen und einen Serbienschen Sitzwagen. Wie, wo .. Istanbul?

   
         
         
       
   

Ein Schweizer Bus in Bardh ... irgend was aus dem Basler Hinterland. Bitte nicht zuviele Blicke auf dem Mädel lassen, ihr wisst ja, Anschauen verboten ;)

   
         
         
       
         
       
   

BDZ 46 219.2 mit B 490 aus Sofia / Istanbul an der Grenze, kurz vor und in Dimitovgrad. Der Zug besteht aus nur zwei Wagen, der oder die aus Istanbul dürfte wohl fehlen. Die Strecke ist bis nach Serbien hinein von den BDZ Elektrifiziert.

   
         
 

Trotzdem verfolgten wir den Zug auch mit der Serbienschen Bespannung. Es gelangen Fotos hinter Dimitovgrad, vor Pirot, hinter Pirot und zuletzt bei Bela Planka auf der Strassenbrücke der Umfahrung.

 
         
         
       
   

JZ 661 138 mit B 490 aus Sofia / Istanbul mit der Serbischen Lok kurz hinter Dimitovgrad.

   
         
         
       
   

JZ 661 138 mit B 490 aus Sofia / Istanbul zwischen Dimitovgrad und Pirot

   
         
         
       
   

JZ 661 138 mit B 490 aus Sofia / Istanbul kurz vor Pirot, Fotografiert von der Brücke der neuen Strassenumfahrung.

   
         
         
       
   

JZ 661 138 mit B 490 aus Sofia / Istanbul kurz hinter Pirot, das Tal wird in diesem Abschnitt Enger und die Reisegeschwindigkeit der Bahn nimmt extrem ab.

   
         
         
       
   

JZ 661 138 mit B 490 aus Sofia / Istanbul hinter dem Ort Bela Planka, das letzte Foto vom Zug. Der Endbahnhof des Zuges ist Belgrad.

   
         
   

Dem Zug hatten wir im letzten Abschnitt fast 20min abgenommen, und so waren wir früh genug um nebst dem Zug nach Belgrad auch dessen Gegenzug nach Bulgarien und in die Türkei zu erwischen. Die beiden Züge kreuzen per Zufall in Bela Planka.
Aber anstatt der Zug aus Nis kam auf der Brücke 3min zu früh (!!) der Zug nach Nis, aber wir standen zum Glück für beide Richtungen gut. Verspätung? Nichts besonderes wohl ... und mit 30min Verspätung rollte der Gegenzug aus Nis heran. Ebenfalls zwei Wagen lang und mit einer 661 bespannt.
Diesen Zug wollten wir eigentlich nicht verfolgen, aber bei Pirot hatten wir ihn wieder und stellten uns deshalb natürlich noch mal.

   
         
         
       
   

JZ 661 155 mit dem Gegenzug, B 491 von Belgrad nach Sofia / Istanbul kurz vor Bela Planka.

   
         
         
       
   

JZ 661 155 mit dem Gegenzug, B 491 von Belgrad nach Sofia / Istanbul hinter Pirot wieder von der Brücke der Umfahrungsstrasse.

   
         
         
       
   

Ein letztes mal JZ 661 155 mit B 491 kurz vor Dimitovgrad. In dieser Station haben wir in den folgenden 2h während einem starken Sommergewitter Schutz gesucht.

   
         
   

Anstatt einem Zug kam aber eine riesige Gewitterfront, von uns ersehnt. Es war in der Sonne bis zu dem Zeitpunkt eeeextrem schwül, warm wie Sau und die Luftfeuchtigkeit wohl gegen 100%, Tropenklima. Regen kommt da genau richtig. Einzig unser Chevy war nicht froh über den Regen, denn wir wollen eigentlich nicht, dass er gewaschen wird ;)
Der Regen ging dann los ... und es dauerte und dauerte und dauerte ... und es wurde wieder stärker und wieder schwächer und wieder stärker, und nach über 2h war es dann wirklich langsam fertig.
Wir warteten erst im Wagen und dann geschützt in einem alten Bahnhof, zusammen mit uns standen da auch zwei Tessiner im trockenen, welche mit dem Fahrrad über CZ und Ungarn nach Istanbul fahren wollen. Warum auch nicht! ;)
Der Regen war noch nicht ganz vorbei kam die Sonne raus, und wie bestellt kam dann nach langer Zeit auch endlich mal noch ein Zug in unsere Richtung, im vollen Licht.

   
         
         
       
   

Nach dem Regen kommt die Sonne, und 661 155 mit einem Güterzug nach Westen kurz hinter Dimitovgrad.

   
         
   

So war klar, hinterher, bei Pirot gelang ein weiteres Bild und nur um es probiert zu haben fuhren wir noch nach Bela. Leider mit mässigem Erfolg. Am Bahnhof wo wir in der Früh den Güterzug erwischten standen wir wieder bei der Brücke, an Sonne war aber nicht zu denken. Dank dem Formsignal konnten wir uns aber auch für ein Schlechtwetterbild begeistern.
Weiter fuhren wir noch bis nach Bela Planka zur ersten Brücke der Umfahrung. Es kam da dann voll die Sonne raus, aber der Zug lies sich über 30min Zeit, was wiederum dem Gewitter genug Zeit gab um wieder vor die Sonne zu kommen.

   
         
         
       
   

661 155 mit dem Kistenzug aus Bulgarien kurz vor Pirot.

   
         
         
       
   

Und ein letztes mal 661 155 mit dem Güterzug an der Einfahrt von [] zwischen Pirot und Bela Planka. Wie man sieht gibt es an der Strecke teilweise noch Formsignale die auch in Betrieb sind.

   
         
   

Nächstes Problem, Übernachtung.
Nach Nis wollten wir nicht, da wir morgen noch mal an der Strecke was machen möchten .... also bot sich Pirot an, in Bela vermuteten wir kein Hotel und sahen auch nie eine Werbung.
So fuhren wir mal da hin und suchten uns ein Hotel, was wir fanden war das Hotel Pirot am Hauptplatz. Von aussen machte der Bau aber einen sehr baufälligen Eindruck, etwas heruntergekommen. Erinnert mich an das Hotel Ormoz. Wir mochten also nicht da rein, und suchten weiter. Erfolglos, also doch da rein ...
Und es war drinnen so wie von draussen erwartet, das Hotel war vor 30 vielleicht mal gut, aber jetzt? .. nicht mehr. Beim Blick ins Klo störten wir so den auch gleich unsere Mitbewohner beim freudigenn nichtstun, einige Kakerlaken, Silberfische und Ameisen ...
Das Zimmer mit drei Betten ist klein, stickig, und mit fast 7000 Komischgeld Dinar nicht mal besonders günstig. Die Duschwanne leckt übrigens auch :(
Und dabei wollten wir solche Unterkünfte vermeiden, gelingt wohl auf dem Land nur bedingt, oder wir hätten weitersuchen müssen.Egal, ist ja nur für eine Nacht.
Um noch etwas in den Magen zu bekommen liefen wir in die dafür gleich vor dem Hotel liegende Innenstadt, zogen etwas Geld am Automaten und suchten uns ein nettes Lokal.
Ich konnte Daivd „meine“ Busse zurück zahlen (bei uns gilt, wer fährt bezahlt) und mein Abendessen gleich mit. Chevabcicifür 50 und Pommes für 40 Komischgeld Dinar gab es, dazu leckeres Bier .. und zum Abschluss noch zwei Kugel eis für 10 Dinar. 10 Dinar ... das sind 15 Rappen oder 10 Euro Cent! GÜÜÜÜÜNSTIG!!!
Im Hotel geniessen wir jetzt die Musik von der Bar unten und schwitzen uns zu Tode ... aber müde bin ich!
Der erste Tag Serbien war also gar nicht schlecht, die Strecke besser als zuerst gedacht, der Verkehr auch nicht leid. Aber um zu räumen brauch man ja nicht viele Züge ;).

   
         
         
    Text: Neel Bechtiger    
         
       
       
         
   

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