|
Tag 6: Freitag,
10.07.2009,
Fushë Kosovë
-
Fushë Kosov |
|||||
|
|
|||||
|
Anders als üblich begann der heutige Tag sehr früh, wirklich sehr früh. Aber da auch im Kosovo, wie überall im Osten irgendwie, die Züge früh am Morgen häufiger fahren als zu fotografenfreundlichen Zeiten, war es nötig. Heute früh wollten wir uns gemeinsam um die Stadtdurchfahrt von Ferizaj und um den Panoramablick bei Bablac kümmern. Der Zug durch Ferizaj nach Süden war um 6:30 da, der Zug in Bablac nach Prishtinë um 7 Uhr. Die benötigte Fahrzeit bis ins 50 Kilometer entfernte Ferizaj war nicht so recht vorhersehbar, denn mit Verkehr würde es sicher eine >Stunde dauern, ohne viel Verkehr sicher etwas mehr als eine Halbe. Da wir aber nicht genau wussten, was denn morgens um 6 Uhr auf den Strassen so los war, rechneten wir mal mit einer Stunde Fahrzeit. So standen wir um 5 Uhr auf und fuhren um 5:30 los. Ich habe da dann den Fehler gemacht und mich als Fahrer anerboten, für den Fall, dass sonst wirklich niemand wollte. Natürlich meinten dann beide Herren „DANKE, du fährst“ ;) Die Bedingungen waren ideal, der Kosovo schlief noch und wir waren in weniger als 30 Minuten in der Innenstadt von Ferizaj. Etwas ungewöhnlich war es schon, das einzige Auto im „Todeskreisel“ von Prishtinë zu sein ;) Ich hatte mir auch schon den kosovarischen Fahrstil angewöhnt und sah die Geschwindigkeitsbeschränkungen schon erst gar nicht mehr... Ich hoffe, das ändert sich wieder in den nächsten Ländern ;) (Anm. d. R.: Die beiden netten, uniformierten Herren in Serbien waren später der Meinung, dass der Fahrstil sich nicht genügend geändert habe). Vom Wetter her hätten wir uns nicht unbedingt für das frühe Aufstehen entscheiden müssen, denn es war noch leicht bewölkt. Immerhin gaben uns die ersten blauen Löcher etwas Hoffnung. Unterwegs fuhren wir in der aufgehenden Sonne noch durch Nebelbänke, aber diese waren sich schon am Auflösen. Aus der leichten Bewölkung wurde bei steigendem Sonnestand entweder blauer Himmel oder dichte Bewölkung. In Ferizaj angelangt war aber das Wetter besser als überall sonst, die Chance auf Sonne bestand also immerhin. In der Innenstadt war es noch ruhig und das, obwohl der Muezzin bereits das erste mal das Gebet sprach. Wir verteilten uns in der Stadt und machten den Zug an insgesamt 5 verschiedenen Stellen. Es kam, wenig verwunderlich, Nohab 005 im „alten“ Lack der Kosovo Railways. Leider erlitten die Bilder zum Zeitpunkt der Durchfahrt einen massiven Wolkenschaden. |
|||||
![]() |
|||||
|
Noch ganz verschlafen präsentiert sich Ferizaj an diesem frühen Morgen um halb 7 in der Früh. Lok 005 eilt mit IC 891 nach Skopje dem Bahnhof entgegen und wird ihn pünktlich erreichen. Von der Moschee in der Ortsmitte hat der Muhezin bereits einmal zum Gebet gerufen, ob der Aufforderung viele nachgekommen sind? |
|||||
![]() |
|||||
|
Das Piratenschiff in Ferizaj muss so etwas wie ein In-Lokal sein. Um halb 7 war es im Schiff aber noch ruhig, die Party war wohl schon zuende? Lok 05 dürfte beim beschleunigen aus dem Bahnhof die Leute aber ähnlich unterhalten in den Betten. |
|||||
![]() |
|||||
|
Mit nur kleineren Schäden abgestellt sind die drei ALn668 Triebwagen welche die Kosovo Railways von der UN Behörde übernommen hat. Diese wiederrum hat sie von Italien für den Einsatz erhalten. Seit aber die jüngeren Y1 Triebwagen im Einsatz sind werden die Triebwagen nicht mehr benötigt. |
|||||
|
Nach dem Foto fuhren wir flugs nach Bablac hoch, und nach 20 Minuten Wartezeit kam Lok 007 mit dem aus einem Wagen bestehenden Freedom of Movement-Zug aus Hani i Elezit. Balbac selber lag gerade am Ende eines Nebelfeldes, die Sonne drückte zwar zum Zeitpunkt der Durchfahrt etwas durch, an Bergmotiv oder so war aber nicht zu denken. So sahen wir uns gezwungen, es wohl am nächsten Tag nochmals probieren zu müssen. |
|||||
![]() |
|||||
|
Lok 07 mit dem ersten Zug aus Hani i Elezit (Freedom Movement Train mit der Nummer 4100/4301) fährt durch den Nebel der Station von Bablak entgegen. |
|||||
![]() |
|||||
|
Der Eindruck täuscht, der einzige Wagen vom Zug 4100 war gut gefüllt, trotzdem hatte Lok 07 natürlich leichtes Spiel. Da änderte auch der neue Fahrgast nichts daran und die Beschleunigung gelang spielend aus dem Bahnhof von Bablak. |
|||||
![]() |
|||||
|
Dieser alte Strassenkran im Bahnhof von Bablak wird wohl nie mehr für das benötigt, wofür er gebaut wurde. |
|||||
|
Dann, so unser Schlachtplan von gestern, fuhren wir über Land im nun stark angestiegenen Verkehrsaufkommen an die Strecke von Fushë Kosovë nach Pejë. Nach einigen dutzend Minuten und fast eine Stunde vor dem 8 Uhr Zug nach Pejë (einer von täglich zwei) erreichten wir Drenas. In Drenas, dem ersten grösseren Ort seit Prishtinë, befindet sich das NewCoFerronikeli-Werk, welches wohl der grösste Kunde der Kosovo Railways im Gütverkehr ist. Tägliche Zugleistungen und Rangieraktionen mit HK-Loks sollte es im Ort und im Werk geben. Davon war aber leider zum Zeitpunkt unserer Ankunft nichts zu sehen, abgesehen von ein paar vollen Güterwagen im Bahnhof. Nach einem kleinen Verfahrer im Ort suchten wir uns eine Stelle für den kommenden Zug nach Pejë. Eigentlich hätte laut unseren Informationen und auch nach unserer Sichtung am ersten Tag ein Triebwagen diese Leistung fahren sollen, nachdem wir gestern aber eine NOHAB mit dem Zug gesehen hatten waren wir uns dessen nicht so sicher. In der Hoffnung auf eine Rundnase stellten wir uns, leider unter vollständig bedecktem Himmel, an einen Bahnübergang, um den Zug voll von vorn zu schiessen. Schon zehn Minuten vor der Durchfahrt war uns klar, dass eine NOHAB kam, denn diese war unschwer am Gehorne zu erkennen. |
|||||
![]() |
|||||
|
Lok 007 hat nach der Fahrt mit Zug 4100 von Hani bis Fushe gleich den nächsten Zug übernommen. Es ist der Regionalzug 4201 von Pristina nach Peja, welcher hier kurz hinter Drenas in die Bergen strebte. |
|||||
|
Nach dem Zug hatten wir eine Lücke von über vier Stunden in der Planung, jetzt war es 8:30, die Rückleistung sollte 12:45 hier sein. Da wir sonst nichts zu tun hatten, beschlossen wir, die Zeit einfach mal auszusitzen. Zuvor wollten wir aber die Stellen für die Rückfahrt des Zuges sichten. Dank ultrapräziser Karte und einer komplett neuen Strasse hatten wir damit aber unsere liebe Mühe. Dennoch fanden wir etwas passendes bei Grykas und schon war eine Stunde totgeschlagen. Nach der Besichtigung des Ferronikel-Werks und der Feststellung, dass alles, was mit Bahn zu tun hatte still stand, drückte der Hunger, aber dafür war bereits eine weitere Stunde vorbei. Währen sich David und ich in ein Café beim Bahnhof mit dem wohlklingenden Namen „Te Nazi“ setzten, zog Zingg es vor, sich im Auto aufs Ohr zu hauen. Um den Hunger zu stillen wollten wir etwas Warmes essen. Auf der Karte gab es sowas ähnliches wie Kebap, der Preis von 25 Cent erschien uns aber doch zu tief für etwas Gescheites zu essen. So bestellten wir beim Kellner, welcher uns nicht verstand, mal den obersten Punkt auf der Karte, es sollte 3 Euro kosten und es war das teuerste. So konnten wir uns aber sicher sein, dass es genug war, um den Hunger zu stillen ;) Es war dann gar nicht schlecht, frisches Brot, ein Gemüseteller und gaaanz viel Fleisch auf einem extra Teller. Also Döner in Einzelteilen. Wir liessen es uns, neben der Polizei und einigen anderen Gestalten, die vom Kellner eher widerwillig bedient wurden, gut gehen und assen unser „Frühstück“. Nachdem eine weitere Stunde vorbei war gingen wir zurück zum Wagen und fuhren zu den gefundenen Stellen. Etwa eine Stunde vor dem Zug trafen wir vor Ort ein und verteilten uns. Während Pascal im einsetzenden Regen der Strecke in Richtung Pejë folgte, blieben ich und David beim Auto. Der Blick zum Himmel war dann eine kleine Offenbahrung, denn dort, wo der Zug her kommen sollte, war viel Blau zu sehen. Keine zehn Minuten später, es tropfte noch leicht, sassen wir auf einmal in der Sonne! Es riss auf, mit erfreulicher Geschwindigkeit. Bevor sich David auch auf den Weg an eine Stelle gegen Prishtinë machte bekamen wir noch Besuch von einem völlig eingesauten Mercedes 200. Zwei Herren wollten von uns wissen, wo genau sie denn sind. Sie seien von der Weltbank und waren dabei, mit GPS die Strassen abzufahren, um bessere Karten zu erstellen. Von der Notwendigkeit dieses Tuns waren wir schon zuvor überzeugt ;). Wirklich helfen konnten wir ihnen aber nicht. Sie haben uns nur noch bestätigt, dass unsere Karte nicht viel wert sei, weil alt und so. David war dann weg und ich setzte mich mal in die Sonne, so, dass ich von der Dorfjugend nicht gesehen wurde. Nicht, das ich den Kontakt scheute, aber im Urlaub habe ich auch ganz gerne mal meine Ruhe, besonders, wenn die anderen zwei Plaudertaschen schon mal weg waren ;) Ohne auch nur die geringste Gefahr eines Wolkenschadens kam der Zug bei uns allen volle Pulle im Licht! |
|||||
![]() |
|||||
|
Einige Stunden sind vergangen und schon kehrt Lok 007 aus Peja zurück. Sie hat Zug 4200 am Hacken und fährt hier durch die Sanften Hügel kurz vor dem Haltepunkt Lugdren. |
|||||
![]() |
|||||
|
Nur hinter der nächsten Kurve stand der nächste Fotograf ... und in etwa 200m folgt der Haltepunkt von Lugdren. |
|||||
![]() |
|||||
| Lok 007 hat mit dem Regio 4200 von Peja nach Pristina Lugdren verlassen und fährt gleich durch einen Tunnel ehe sie die Ebene von Drenas erreicht. | |||||
|
Als Pascal bei mir und wir bei David waren war Eile angesagt, und durch den unmöglichen Verkehr fuhren wir in Richtung Lipjan, wo wir den 14 Uhr Zug in Richtung Hani i Elezit machen wollten. Eigentlich hatten wir genügend Zeit, zumindest um noch einen alten Winterthurer Bus an einer Tanke zu fotografieren. David war kaum ausgestiegen und hatte die Kamera gezückt, da wurde er schon angefahren, was er denn da mache. Der Tankstellenwärter wollte sicher sein, dass er kein Reporter sei, und als ihm klar war, dass wir die Aufnahmen für private Zwecke machten, war er plötzlich zufrieden. Hm, wieso genau hat er Angst vor Reportern, die seinen Bus fotografieren? Ist die Kiste etwa geklaut? ;) Über den Flughafen fuhren wir durch das kleine Chaos von Lypian an die Strecke. Gleich hinter Lypian gibt es eine gut ausgebaute Strasse, welche etwa fünf Kilometer parallel der Strecke folgt, ideal für eine kleine Zugsverfolgung, so dachten wir. So stellten wir uns an den Anfang der Strasse bei einem kleinen Bahnübergang, wie immer unter den kritischen Blicken der lokalen Bevölkerung. Der Zug kam mit Lok 005 voll im Licht und wir starteten die Verfolgung. Viel brachte es aber nicht, denn die Lok zog am kleinen Bahnhof am anderen Ende der Strasse viel zu weit vor als dass man sie vernünftig hätte erlegen können. |
|||||
![]() |
|||||
|
Lok 005 hatte an diesem Tag die Aufgabe Regio 4103 von Fushe nach Hani i Elezit zu befördern,. Hier fährt sie mit einem zwei Wagen Zug dem Ort Lypian davon in welchem wenige Minuten vorher gehalten wurde. |
|||||
![]() |
|||||
|
In Fushlot bietet eine freie Fläche die Möglichkeit für einen Querschuss auf den Zug. Lok 005 mit dem Regio nach Hani hat den Haltepunkt gerade verlassen und fährt dem nächsten Ort, Ferizaj entgegen. |
|||||
|
Schnell, aber ohne Stress ging es zurück auf die Hauptstrasse und in Richtung Süden. Kaçanik, der letzte grosse Ort vor Hani i Elezit, hätte noch einiges an Stellen für uns bereit halten sollen. Wir rechneten uns Chancen aus, den Zug da nochmals zu erwischen. Gerade mal fünf Minuten vor dem Zug waren wir da, ein ziemliches Armutszeugnis für die Strassen ;) Da die geplante Stelle von der Hauptstrasse ins Tal hinein von Grünzeug in Beschlag genommen wurde, fiel diese aus. Wir benötigten aber zu lange dies festzustellen, so dass es nicht mehr zurück in den Ort reichte. Es blieb uns nur der Notschuss an einer alten Brücke, welcher jedoch von der Bewölkung noch zum totalen Notschuss degradiert wurde. |
|||||
![]() |
|||||
|
Eine alte Brücke kurz hinter Kacanik bietet sich als Notmotiv an, wenn die Sonne gerade mal nicht da ist und der Zug drückt. Es ist immer noch Lok 005 am Regio 4103 nach Hani. |
|||||
|
Der Vollständigkeit halber fuhren wir mal noch runter nach Hani i Elezit, um im Bahnhof „nach dem Rechten“ zu sehen. Es standen sogar zwei Züge drin, wann die aber genau wohin fahren konnte uns das Personal nicht abschliessend beantworten. Natürlich trafen wir während den zehn Minuten Aufenthalt am Bahnhof auch die Kinder von gestern wieder an. Diese schauten aber ziemlich blöd, als wir diesmal mit dem Auto kamen ;) Trotzdem kamen sie nicht zum betteln oder dergleichen, es war für sie nur ein Zeitvertreib. Durch eine Regenfront hindurch fuhren wir zurück nach Ferizaj, Stadtdurchfahrt, die Zweite wartete auf uns. Die Stadt zeigte am späten Nachmittag aber ein krass anderes Gesicht. Anstelle der Ruhe des Morgens erwartete uns die Hektik einer Kleinstadt mit nur einer zentralen Strasse. Es wuselte, Autos, Traktoren, Menschenmassen, alles teilte sich dieselbe Fläche und stand sich gegenseitig im Weg. Nach einer Viertelstunde nur langsamen Vorwärtskommens auf der etwa einen Kilometer langen Hauptstrasse fanden wir am Rand endlich einen der raren Parkplätze und stellen uns hin. Die Kosten von 20 Cent die Stunde wären auch nicht das Problem gewesen, nur, wo und wie musste man bezahlen? Die Warnwestenheinis, welche sich jeweils um die Autos kümmerten, schienen an uns kein Interesse zu haben und auch auf Aufforderung geschah nichts. Wir wurden mal wieder nicht verstanden, und verstanden selbst auch überhaupt nichts. Irgendwie musste da wohl erst bei der Abfahrt bezahlt werden, oder so. Wir liefen zum Bahnhof, setzten uns für die Stunde Wartezeit bis der Zug kommen sollte in ein Café direkt an der Bahn und schauten von der Terrasse runter dem bunten Treiben von Ferizaj zu. Und wer sass da hinter uns? Das Mädel vom Zug gestern ;) Rechtzeitig für den Zug trennten wir uns wieder und schossen diesen nur knapp ohne Wolkenschaden an 3 Stellen im Ort. In einem so grossen Ort zu warten war schön unauffällig, da gab es auch sonst eine Menge Leute, die nichts taten und rum sassen. Probleme hatte einzig Pascal, er stand neben einer Moschee und erregte wohl die Gläubigen etwas, als er sich nahe an den Zaun stellte. Diese gaben sich aber anscheinend mit seiner Erklärung zufrieden und liessen ihn danach in Ruhe. Der Zug kam, entleerte sich, füllte sich wieder und hatte bei der Abfahrt sichtlich Mühe sich durch die Menschenmassen zu kämpfen, entsprechend langsam und hornend fuhr er los. |
|||||
![]() |
|||||
|
Lok 005 hat sich in Hani i Elezit den IC892 von Skopje geholt und fährt mit diesem nun nach Pristina. Das bunte treiben in der interessanten Ortsdurchfahrt von Ferizaj bietet sich für diesen Zug an. Hier steht er im Bahnhof und wird von vielen Reisenden erwartet. |
|||||
![]() |
|||||
|
Lok 005 beschleunigt mit IC892 aus dem Bahnhof von Ferizaj heraus und durchbricht mit dem dumpfen grollen das geschäftige Treiben mitten im Ort. |
|||||
|
Der Zug war im Kasten, was nun? Wir wollten mal nach Gurëz, dem nächsten Bahnhof in Richtung Hani i Elezit. Auch wenn kein Güterzug kommen sollte, so könnte es immer hin sein, dass da noch etwas rangiert wird. Am Auto öffneten wir die Türen und warteten mal, bis einer das Geld fürs Parken wollte, denn inzwischen hatten wir ein Ticket unter der Scheibe. Für die 20 Cent rannte sogar noch einer, ob es sich denn lohnt? ;) In Gurëz versuchten wir mal wieder beim Fahrdienst herauszufinden, wann denn ein Zug kommen sollte. Er selber verstand uns nicht, aber eine Bekannte, die gerade nebenan am Essen war, konnte Englisch und übersetzte für uns. Der Bahnhofsvorstand machte sich dann sogar die Mühe, per Telefon eine Zugsdurchfahrt zu erfragen... in 30 Minuten sollte es soweit sein. Wir gingen automatisch davon aus, dass der Zug von Hani i Elezit hoch kommt, also im Licht und so positionierten wir uns auch so. Pascal blieb beim Bahnhof, David blieb unterwegs an der Strecke und ich fuhr zurück nach Ferizaj. Diesmal war es NOCH mühsamer, die Kreuzung am zentralen Bahnübergang zu queren, denn von allen Richtungen wollten Autos überall hin, und mit der Disziplin bei den Autofahrern war es ja auch nicht sonderlich weit her, wie wir inzwischen wissen ;) Mit noch mehr Mühe fand ich einen Parkplatz, und schon begann die tief stehende Sonne an den Wolken zu kratzen. Aber ich hatte noch Sonne, bis es zu pfeifen begann. Das Pfeifen kam aber aus der falschen Richtung, und eine SMS vom Zingg bestätigte, dass bis jetzt bei ihm in Gurëz bis jetzt nichts durch war. Das kam von hinten, warum hatten wir damit nicht gerechnet? Ich lief also etwas vor zum Bahnhof, aber auf die Minute genau zur Vorbeifahrt des Zuges versank die Sonne in einer dichten Wolke, nicht mal mehr Streiflicht gab es bei mir. Dafür war NOHAB 008 am Zug, die Lok, die uns noch fehlte. Am hinteren Ende aber, für die anderen zwei Herren, die sich für Züge aus dem Süden ausgerichtet hatten interessant, hing Kennedy 002! |
|||||
![]() |
|||||
|
Lok 008 hatte an diesem Abend noch einen Güterzugeinsatz nach Hani i Elezit, hier in der Ortsdurchfahrt von Ferizaj. |
|||||
![]() |
|||||
| Zwischen Ferizaj und Gurez legt sich Lok 008 im Streiflicht in die Kurve. | |||||
![]() |
|||||
|
Lok 002 hängt hinten am Zug nach Hani i Elezit, warum genau haben wir nicht heraus gefunden. Ob der Gegenzug eine Schublok braucht oder zwei Züge unten stehen? Für die Fahrt nach Hani i Elezit wird sie aber auf jeden Fall nicht gebraucht. |
|||||
![]() |
|||||
|
Ebenfalls nur im Streiflich kam Lok 008 im Bahnhof von Gurez. Pflichtbewusst stellt sich der Bahnhofsvorstand hin und schaut dem Zug hinterher. Bahnsteig hat er nicht wirklich, so muss er mit dem Ausweichgleis vorlieb nehmen. |
|||||
![]() |
|||||
|
Lok 002 am Zugschluss kam natürlich auch in Gurez deutlich besser im Licht. Ab Gurez bis nach Hani i Elezit beginnt der Streckenabschnitt mit Gefälle und er führt teilweise tief im Tal, durch viele Tunnels und über viele Brücken bis zum Grenzbahnhof. |
|||||
|
Nachdem ich die anderen informiert hatte, machte ich mich gemütlich auf den Weg zu ihnen. Um das grösste Chaos zu umfahren, ich hätte zuerst wenden müssen, fuhr ich aussen rum über die Hauptstrasse. Ob es wirklich schneller war? Glaube nicht, denn es ging auch da überhaupt nicht vorwärts! Und wenn es mal lief fuhr bestimmt wieder einer vorne rein. Zingg und Gubler waren schnell erreicht, bei ihnen klappte es besser, die ersten Kennedy-Streckenaufnahmen mit Sonnenschein waren im Kasten. Es war nun schon nach 19 Uhr, ein laaanger Tag neigte sich dem Ende zu, und es stand nur noch die Fahrt zurück nach Fushë Kosovë an. Der Verkehr war intensiv. Unterwegs galt es, eine Tanke zu finden, die Kreditkarten akzeptiert. Obwohl aussen angeschrieben tat dies die auserwählte aber nicht und wir mussten die 51 Euro für 52 Liter Benzin in Cash abliefern. Gegen Prishtinë nahm der Verkehr stetig zu, aber es lief recht gut, am Mörderkreisel war die Durchfahrt dann fast so angenehm wie am Morgen ;) Ohne den Umweg über das Hotel fuhren wir direkt in unser Stammlokal und assen da viel zu viel Abendessen. Ich hatte beim Planen der Menge den vermuteten Gratis-Nachtisch vergessen, und prompt, er kam, und ich lief kugelrund aus dem Lokal. Das mit dem Nachtisch will ich in Zukunft beachten, es scheint seit gestern normal zu sein. Zurück im Hotel, der Müllberg brannte übrigens heute Abend NICHT (!!), gingen wir erschöpft duschen und bald schon geht’s ab ins Traumland. Wieder geht ein Tag voller Eindrücke zu Ende, wieder bin ich begeistert von Land und Leuten, welche ich je länger desto besser verstehe. |
|||||
| Text: Neel Bechtiger | |||||
|
|
|
||||
|
|
|||||
|
Alle Texte und Bilder sind (C) bei www.bahnpics.com |
|||||