Tag 1: Samstag, 12.09.2009,Wetzikon - Geilo

 

 

         
   

Früh, sehr früh begann dieser erste Urlaubstag. Ich glaube sagen zu können das ich noch nie so früh in Urlaub gefahren bin. Es war 4:30 Uhr als mein Wecker mit einem lauten Estnischen BÜ Klingeln den Urlaub einläutete. Da ich kein Frühstücker bin liess ich dies ausfallen und machte mich direkt an die letzten Vorbereitungen, alles dabei? Handy-Netzteil noch schnell in den Koffer gesteckt und dann konnte es eigentlich los gehen. Durch die völlig leere Strasse ging es zu Fuss bis zum Bahnhof. Und da kamen die ersten Zweifel, wann genau fährt der Zug nochmal? Weil die erste S-Bahn am morgen bei mir hat keine Liniennummer sondern fährt erst S5 und dann S14, daher auch eine geänderte Abfahrtszeit. Auf die Minute Pünktlich und keine früher war ich dann da, 5:14, abfahrt der S-Bahn nach Zürich Oerlikon.

Der Zug war für einen Samstag morgen gut gefüllt, Leute auf dem Weg zur Arbeit, in die Ferien und einige Heimkehrer aus dem Freitag Abend waren anwesend. Der Anschluss in Oerlikon passte und auf Gleis 3 stand zur Abfahrt als S-Bahn von Oerlikon nach Winterthur (wirklich nur die Strecke) eine GTW Doppeltraktion, einer davon war sogar der TopBlitz. Die beiden kommen in aller hergottsfrühe aus St, Gallen nach Oerlikon um den Ostschweizern auch eine Möglichkeit zu geben früh den Flughafen zu erreichen.

Im Flughafen war ich dann um 4tel vor 6, 30min vor der Boarding Time für meinen Flug nach Oslo. Eingecheckt habe ich bereits zuhause also musste ich nur mein 19.4kg schweres Gepäckstück abgeben und los gings.

Mein GA abgeben hat leider nicht funktioniert weil der Bahnschalter noch geschlossen hat, und Geld abheben konnte ich nicht weil ich den passenden Automaten nicht fand ;) Halb so schlimm und um 4tel nach 6 war ich am Gate A84 und wartete auf das Boarding. Kein schlechter Schnitt, von Zugsabfahrt zuhause bis zum Gate nur eine Stunde .., da wäre ich noch nicht mal in Basel gewesen mit dem Zug.

Neben uns am A85 war ein Flug um 7 nach Wien angeschrieben und bis zur Boarding Zeit warteten auf die beiden Flieger etwa 40 Leute. Mit mir sassen in dem Flieger nach Oslo sage und schriebe 7 Leute (!), da weiss sogar ich als Laie, der Flug hat nicht rentiert ;) Dafür gabs für uns dann lecker Frühstück mit Nachschlag, anscheinend hatte man etwas zuviel gebunkert.

Beim Abflug in Zürich um 7 Uhr war es bedeckt und als wir die Wolkendecke durchbrachen nach dem Start war gerade die Sonne als feuerroter Ball am Horizont aufgegangen und tauchte die ganzen Wolken in ein rosa Schimmer. Eine unwirkliche aber extrem schöne Szene – der Urlaub hat begonnen!

Das nächste mal Land sah ich um 8:26, Flughöhe 11600m, Geschwindigkeit 656km/h, es war die Brücke über den grossen Belt welcher unter uns vorbei zog. Da wurden die ersten Erinnerungen an vergangene Urlaube wach und ich konnte, beim zweiten Frühstück, prima an vergangenen Zeiten rum studieren. Oslo erreichten wir nach der Ehrenrunde im Norden mit etwa 15min Verspätung, komisch, dabei war der Flieger fast leer ;)

Oslo ist doof, da fährt man mit dem Flugzeug das ganze Gebäude entlang um dann in eben diesem wieder nach vorne zu laufen. Ist man da erstmal angekommen geht es wieder gaaaanz zurück um an sein Gepäck zu kommen. Man meinte dann unser Gepäck zusammen mit dem Flug aus NewYork aufs Band zu schicken, das waren dann schon etwas mehr Leute. NEEIN, es wären von den 10 Rückgabedingern nicht noch 9 frei gewesen. Auf dem Weg zur Autovermietung traf ich auf Jan, er hatte Schlüssel und Papiere bereits besorgt und wir konnten gleich starten um die ersten Meter unter die Räder zu nehmen. Unser Mietwagen, ein Toyota Auris in silberner Farbe haben wir schnell gefunden in der grossen Garage. Merkwürdig am Auto, obwohl wir bei Europcar gemietet haben klebt hinten am Auto ein HERTZ Kleber.

Auf direktem Weg ging es wieder mehrheitlich unter Wolken nach Hönefoss und Bergenbahn. Der Mautstation unterwegs haben wir noch 20 Kronen in den Rachen geschoben (zum Glück hatte Jan noch Kleingeld) und kamen wir auf den fast leeren Strassen sehr gut voran. Es ist schon ein ganz anderes fahren in diesem Norwegen, kaum mal eine Siedlung geschweige den in Dorf oder eine Stadt .. kaum Verkehr. Entspannung pur, nichts im Vergleich mit dem Chaos auf den Strassen des Balkans die ich vom Sommer noch all zu gut in Erinnerung hatte.

Zwei Züge standen erstmal auf der Liste, je einer pro Richtung, also einer von Bergen nach Oslo und einer anders rum. Der „anders rum“ war spannender, weil mit El18 und B7 Wagen gebildet und nicht mit den unsäglichen Panzertriebwagen Bm73. Wir fuhren dann meist unter blauem Himmel etwas ins Tal hinein. Zeitlich reizten wir es wieder aus, den wir mussten erstmal noch eine Wolkendecke durchfahren ehe wir wieder auf Bahn und Sonne trafen. Unter Fla versuchten wir dann eine Stelle für den Bm zu finden, was nicht gelang. Wir vertüdelten so viel Zeit überall und nirgendwo das wir am Schluss an einer Stelle wo etwas gegangen wäre dem Zug nur zugeschaut haben, es hat nicht viel gefehlt, eine Minute oder so. Ärgerlich vor allem, weil er in der Sonne kam und die Stelle eigentlich ganz nett aussah. Egal, Panzerzüge gibts noch genug, El18 ist wichtiger, so fuhren wir weiter bis zu den nächsten Sonnenlöchern die sich uns auf einmal auftaten. Umso verwunderlicher weil es zwischenzeitlich sogar begonnen hat leicht zu Regnen.

 Bei Bromma gibt es einige nette Stellen wo man über den Fluss hinweg auf die Bahn schiessen kann welche auf der anderen Talseite verläuft. So eine Stelle suchten wir uns aus und warteten mal ... und der Zufall wollte es so wie immer; Der Bauer war gerade dabei irgend welche alten Bäume zu verteilen und wir standen ihm voll im Weg. Wir warteten auf den Zug mehrheitlich in der Sonne, aber nicht immer. Zur Planzeit war gut Licht, als der Zug dann kam mit etwa 10min Verspätung leider nicht mehr.

Zum Wetter nur soviel; Skandinavisch. Bei jedem Blick zum Himmel sah es anders aus, mal da ein blaues Loch, mal da eine blaue Fläche und auf einmal war die weg oder ganz wo anders. Unberechenbar, und beim ersten Zug hatten wir die Lotterie leider verloren, Trotzdem ausgiebigen Frühstück begann sich der Magen zu melden, Jan ging es genau gleich und so suchten wir im Ort ein Raststätte auf welches Jan schon kannte.

Es gab leckere Kartoffeln, mit Sauerkraut und Hackbälchen an einer feinen Sauce. Nach dem Essen merkten wir, es geht weiter mit dem Verkehr, nächster Zug die El18 mit dem Gegenzug aus Bergen musste kommen. Und das Wetter war jetzt auf einmal richtig Klasse, es hat grossflächig aufgerissen und es war absehbar die nächste Zeit in der Sonne zu sitzen. Nur 1km weiter Nördlich stellten wir uns wieder an die Strasse um den roten leuchtenden Zug quer zu Ballern über den Fluss hinweg. Diesmal gewannen wir, der Zug kam wunderschön im Licht, dazu etwas Herbstfärbung in der Umgebung, prächtig, prächtig.

   
         
         
       
   

Der Rote auf dem Weg nach Oslo zwischen Nesbyen und Bromma.

   
         
   

Weiter sollte es mit einem Güterzug gehen der immer hinter dem Personenzug herfahren sollte. Die grosse Frage bei den Güterzügen in dem Land natürlich immer, was hängt davor? El14? El16 alt oder Neulack oder gar eine neue El19? El19 ist das jüngste Kind von CargoNet und entspricht der Baureihe 185.2 der DB von Bombardier. Um sich die Frage zu beantworten stellten wir uns getrennt an zwei Stellen. Laaaaaangsam, sehr langsam trotz starkem Wind kam eine dicke Wolke näher, ich sah schon der Zug darin verschwinden als er hinten im Motiv auftauchte. Mit El19 03 kam er prima in der Sonne an mir vorbei gezogen. Dank dem Schuss auf die Nase waren die vielen leeren Containerwagen kein Problem, anders erging es da Jan beim Querschuss über das Wasser.

   
         
         
       
   

El19 mit einem Güterzug nach Oslo bei Liodden

   
         
   

Ehe ich es mich versah rufte Jan gleich an und meinte, es kommt laut Plan noch ein Güterzug von hinten .. mhm, schön! Ich lief also geschwind raus von der Stelle um ebenfalls etwas übers Wasser zu machen. Zwar hatte sich die dicke Wolke genau vor der Sonne platziert, aber der Güterzug liess sich hoffentlich noch etwas Zeit, meinten zumindest meine Gedanken. Es war dann nicht so und ich erlitt einen vollen Wolkenschaden, mitten in die gute Laune hinein, prima! Es wäre wieder eine El19 gewesen und die Stelle war sehr nett.

Nächster Zug auf der Piste, Panzerzug um 18 nochwas in Haugastöl, es war knapp nach 16 Uhr. So nahmen wir die letzten 80km bis Geilo unter die Räder. Geilo war mir und Jan bestens bekannt aus vorhergehenden Besuchen. So war es auch klar wo wir übernachten werden, im ebenfalls gut bekannten Campingplatz an der Ostausfahrt des Ortes, mit Bahnblick von der Terrasse. Hyter 18 wurde unsere für die nächsten Tage, der Preis pro Nacht; extrem günstige 450 Kronen (nicht ironisch gemeint). Gar nicht so günstig war der Einkauf den wir gleich danach in Angriff nahmen. Im Coop Mega im Ort vertrieben wir uns etwas die Zeit nachdem wir uns an einem Bankautomat mit Cash ausgestattet haben. Für etwas Frühstück und etwas fürs Abendbrot legten wir satte 450 Kronen auf den Tisch. Über 60 CHF für zwei lumpige Plastiksäcke Esswaren ... dass ist schon teuer ne! An der Kasse konnten wir wenigstes noch schnell gratis den Wetterbericht angucken, kostenlos :) Zurück füllten wir unsere Essenssachen in den Kühlschrank und gingen gleich wieder raus. Wo es genau kühler war, also im Kühlschrank oder draussen wage ich nicht zu beurteilen. Mit dem Abend kam starker Wind und mit dem Wind wurde es frostig Kalt draussen .... bibber! Und dabei ist doch noch immer Herbst!

Für den letzten Zug welcher möglicherweise im Licht kommen könnte fuhren wir noch mal raus, nach Ustuaoset bzw. Haugastöl. Da sollte noch ein Bm73 aus Bergen kommen welchen man in diesem Bereich nachschiessen kann. Zuerst sassen wir recht lange in der bereits sehr tief stehenden Sonne, dann machte es aber klick und irgend jemand hat uns das Licht ausgedreht. So guckten wir dem Zug nur aus dem Auto hinaus zu (für draussen war es zu kalt).

Die Zugfolge auf der Bergenbahn hält am späten Abend noch eine prima Überraschung bereit, es gibt innert 1h zwei Züge nach Oslo, leider aber ist das gegen das Licht. Aber da eh kein Licht mehr war nicht so schlimm und wir schauten dem zweiten nun im Bahnhof von Haugastöl zu. Es ist eine El18 mit zwei alten Gepäckwagen für den Fahrrad Transport gefolgt von einer B3 Wagenganitur. Währen wir auf den Zug warteten zeigte sich am Horizont ein letztes mal die Sonne um (hoffentlich nur) für Heute lebe Wohl zu sagen. Dabei spiegelte sich die Sonne im Bahnhofsgebäude und Jan versuchte sich, auf anraten eines geschätzten, angesehen Hobbykollegens an „Kunst“ mit der Szene. Trotzdem er sich richtig Mühe gab (ich hab es selber gesehen!) klappte es nicht richtig. Tjaaa, da muss man natürlich schon mindestens einmal auf Java gewesen sein um das richtig zu Beherrschen ... denke ich ;) Der Zug kam, aus dem Fahrradwagen wurden dutzende Velos verladen und der Zug ging wieder ... und wir auch. In die Hütte um uns da lecker Pölser zum Abendbrot zu machen, mit, mmmmh, Zwiebeln und Hamburgersos.

Unsere Hütte ist, sehr fortschrittlich, geheizt mit 3 Elektroofen, aber es gibt schön warm! Morgen wollen wir mal mit dem Auto etwas die Gegend Richtung Finse erkunden, so gut es halt geht ...

   
         
       
       
         
   

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