Tag 15: Samstag, 21.03.2009, Rognan - Mosjøen, 251km

   

 
 
 

Heute wollten wir ausschlafen, soviel war sicher, denn der erste Zug, abgesehen vom Nachtzug um 8 Uhr, war der Güterzug am Mittag nach Bodø... und der war irgendwann um eins auf dem Fjell. Also liessen wir den Tag so ruhig angehen, dass wir freiwillig aufstanden, anstatt vom Wecker getrieben, welcher einem mit jedem Klingeln das Gefühl gab, etwas vom Tag zu verpassen. David zog es um neun aus dem Bett, mich etwa 30 Minuten später.
Das Wetter war durchzogen, auf der einen Seite sah man eine Schneefront, auf der anderen eine blaue Wand, es war also wie schon so häufig von allem etwas da.
Wir machten mit uns aus, dass wir gegen 12 die Hütte verlassen wollten um pünktlich für den Güterzug oben auf dem Fjell zu sein. Unterwegs wollten wir noch eine Maus für mich besorgen, da OpenTTD auf dem Touchpad wenig Spass machte.
Wir verbrachten den Morgen gemütlich, räumten anschliessend auf und fegten einmal durch unser Haus ehe wir um halb 12 in die Stadt aufbrachen.
Der Expert hatte diesmal geöffnet, im Gegensatz zu gestern, und er hatte sogar Mäuse; aber leider nur so hochgezüchtete Rassenmäuse, die mit über 50 CHF zu Buche geschlagen hätten... und für etwas, das zu Hause im Überfluss vorhanden ist, wollte ich keine 50 CHF bezahlen. Also liessen wir das mit der Maus und machten uns durch die Sonne auf den Weg aufs Fjell. Irgendwann wurde aus der Sonne Schneetreiben und als wir oben an der angedachten Stelle angekommen waren schien gerade so wieder die Sonne. Der Himmel lichtete sich, trotzdem schneite es noch und vorallem windete es, wie gestern schon, extrem stark. Minus 6.5 Grad zeigte das Thermometer am Auto als wir es verliessen, um uns zu Fuss an die Stelle zu begeben; es war inzwischen etwa halb eins.
Ohne Wind war es eigentlich gar nicht so kalt, man gewöhnt sich offenbar irgendwann an die Kälte... Hoffentlich auch, muss man fast sagen.
Kurz vor eins, gerade als die Sonne wieder mal durchblickte, kam eine Staubwolke auf den Gleisen auf uns zu. Darin zu erkennen waren zwei Di8 mit einem Kistenzug. Zu früh zwar, was aber nicht weiter schlimm war, schliesslich waren wir ja da. Aber schon wieder diese Di8! Ich dachte immer, man hätte die Class 66 besorgt weil man die Di8 eben nicht mehr auf den langen Umläufen einsetzen wollte...

 

Zwei Di8 mit einem Güterzug nach Bodö  ...

  ... am Ende des Saltfjells im leichten Schneetreiben
 

Wir waren aber erstmal froh früh genug hier oben gewesen zu sein und machten uns für den in etwa einer Stunde folgenden, mit Di4 bespannten Tagzug nach Trondheim mit den Schneeschuhen auf den Weg an ein passende Stelle. Gleich am anderen Ende der Kurve wollten wir stehen, was ganz aber nicht ganz wunschgemäss möglich war, denn eine etwa 40cm hohe Schneemauer entlang der Bahn war im Weg und zwang uns etwas weiter nach vorne - angesichts der grandiosen Landschaft aber verschmerzbar ;)
Wir warteten und das Wolkenloch wurde immer grösser, vom komplett blauen Himmel waren wir nicht mehr weit entfernt. Es war so schön, dass wir sogar begannen Forderungen an die Wolken im entfernten Hintergrund zu stellen, sie mögen doch bitte bleiben für das Bild.
Sogar noch etwas vor der errechneten Planzeit vernahmen wir das für Di4 typische Grummeln und wenige Sekunden später ploppte die Lok sammt Zug vorne auf. Das Klickkonzert begann und endete erst, als der Zug hornend an uns vorbei gefahren war. Endlich mal ein Lokführer, der Freude an uns hatte!

 

 

 

Di4 mit dem Tagzug von Bodö nach Trondheim ...

  ... auf den letzten Kilometern vor dem höchsten Punkt am Polarkreis
 

Wir liefen zurück und wollten eigentlich los, als mir der Gedanke kam, dass man den Gegenzug ja eigentlich auch noch mitnehmen könnte, bei diesem super Wetter eigentlich *musste*.
Eigentlich wars keine Frage, und so standen erneut in der fast einzige Kurve, in der der Tagzug nach Bodø einigermassen fotografierbar ist und warteten. Es zog mittlerweile wieder etwas zu und wir sassen wieder vermehrt im Schatten, sogar die ein oder andere Schneeflocke hatte der nun wieder stark auffrischende Wind für uns parat. Ich glaubte ehrlich gesagt nicht mehr an ein Sonnenbild, aber die 30 Minuten warten konnten wir ja noch... und es sollte sich lohnen.
Ein letzter blauer Streifen hielt sich hartnäckig am Himmel, und zu unserem Glück war die Zugrichtung der Wolken exakt so, dass wir immer innerhalb des blauen Streifens standen. So kam der Zug ungefährdet vor jeglichem Schatten dahergedonnert, natürlich wieder mit einer gewaltigen Schneestaubfahne im Schlepp.

 

 

Di4 mit dem Tagzug von Trondheim nach Bodö ...

  ...am Ende des Saltfjells vor dem nächsten Schneesturm
 

Ich schaute mir den Zug an, er war fast komplett leer. Da wünscht man sich doch glatt in einem dieser Wagen zu sitzen und gemütlich durch die Landschaft zu gondeln!
Leider will das Auto, das uns Flexibilität in Ort und Zeit ermöglicht, noch von Hand gefahren werden, doch zugegeben, immerhin macht das auf den Strassen des Nordens einen unheimlichen Spass. Gerade jetzt im Winter, wenn man praktisch alleine ist und nicht dauernd irgendwelche Schleicher vor der Nase hat.
Wir steuerten fix auf Mo i Rana zu und nach der erfolglosen Suche nach einer Maus ging es weiter gegen Süden. Der Strassenzustand war sehr speziell, abenteuerlich ;) Teilweise war die Strasse sehr breit und gut ausgebaut, dann gab es aber Abschnitte, die in einem erbärmlichen Zustand waren. Bodenwellen, dass es ungesund für Mensch und Material ist und Löcher in der Fahrbahn. Von den Tunnels, welche prinzipiell nicht belüftet werden und eher schwarzen Löchern gleichen gar nicht zu sprechen ;) So schlecht hatte ich die E6 gar nicht in Erinnerung!

Unser Tagesziel hiess heute Mosjøen, der letzte grössere Ort vor einigen 100 Kilometern Niemandsland. Eine zu grosse Distanz zum weiter fahren, da es bereits nach 18 Uhr war und wir nicht scharf auf Nachtfahrten waren.
Das Wetter war wieder wie immer, zwischendurch fuhren wir in der Sonne, danach gab es wieder kleine Schneeschauer und so weiter. Im Ort suchten wir uns dann ein Hotel. Das Navi kannte zwei, das erste hatte aber Winterpause bis im Mai und im zweiten, welches sehr schäbig aussah, war die Rezeption erst ab 19 Uhr wieder besetzt. Im Navi tippte ich dann noch kurz den Campingplatz ein, welchen wir noch ansteuern wollten, doch soweit kam es aber nicht. Ein weiteres Hotell zog unsere Blicke auf sich und wurde beäugt. Mit 890 Kronen war es zwar nicht günstig, aber sehr gepflegt und nett direkt neben dem Bahnhof gelegen, zudem inkl. Frukost.
Wir bezogen unser Zimmer und gingen nach dem Rasieren und Duschen runter um noch etwas im angeschlossenen Restaurant zu essen. Sehr speziell war, dass wir nicht am Tisch bedient wurden, sondern an der Bar bestellen und bezahlen mussten, obwohl es ein ganz normales Lokal war.
Die Bude war aber gut besucht, ein gutes Zeichen; denn wie überall gilt: Fressen die Einheimischen auch da, dann kann es so übel nicht sein. War es auch nicht und mit dicken Bäuchen und leichteren Geldbörsen ging es zurück aufs Zimmer, wo wir noch kurz den Fahrplan für diesen Ort beäugten. Ziemlich krank, denn es lief planmässig von 16 Uhr bis kurz nach Mitternacht an einem Samstag hier nichts, weder Güter- noch Personenzüge. Nach Mitternacht sollte ein Güterzug vom Norden kommen, welcher heute etwas vorzeitig sogar mit einer Class 66-Doppeltraktion durchfuhr, nicht zu überhören *dröööhn*.
Den Abend vertrieben wir uns dann im Zimmer. Die Lokalität unten hat irgendwann noch ein paar Besoffene ausgespuckt, welche noch etwas Radau gemacht haben, alles in allem war die Strassse vor dem Zimmer aber lauter ;)
Morgen wollten wir dann bis Dombås fahren, damit wir den Montag auf dem Fjell hatten... Wir hofften, unterwegs noch das ein oder andere Buidl machen zu können, z.B der Tagzug nach Bodø sollte uns noch irgendwo entgegen kommen.

An dieses Lokal habe ich übrigens keine guten Erinnerung! Der Angeschlossene Kiosk hat uns im Sommer ein Bild versaut. Wir wollten Nachmittagsgüter am Fjord erlegen, laut Bahnpersonal sollte er pünktlich sein. Da war aber dieser Kiosk und unsere Augen waren zu wenig auf die Uhr gerichtet. So schlabberten wir erstmal ein da eingekauftes Eis und vergasen die Zeit. Die Konsequenz, Güterzug nur 50m vor erreichen der Stelle zugeschaut :-(

 

 
   
 

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