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Text von David:
Pünktlich um 06:30 schepperte Nils Handy. Wir
schliefen zwar wieder ein, doch unerbittlich schepperte es wieder und
wieder, alle 8min, bis ich es schliesslich aufgab und mal das Wetter in
Augenschein nahm.
Was ich sah gefiel mir allerdings ganz und gar nicht;
rundherum alles grau in grau. Ein paar Wetterseiten später (mit bestem
Dank an die Stadt Oulu fürs gratis-WLAN) war dann klar, dass es heute
wohl ziemlich überall und den ganzen Tag und so ziemlich im ganzen Land
so sein dürfte. Für Mittwoch war die Prognose allerdings besser, und so
beschlossen wir, uns am Mittwoch auf die Suche nach den Sr2-bespannten
Erzzügen zu machen.
So hingen wir am Morgen erst mal etwas gelangweilt in
der Hütte vor dem Laptop. Wettermässig war aber tatsächlich keinerlei
Besserung in Sicht; trotzdem wollten wir zumindest mal schauen, was so
auf den finnischen Schienen läuft, und machten uns gegen Mittag auf an
die Strecke nach Tampere, wo Nil eine Stelle bei Liminka kannte. Zuerst
gings aber noch am Depot vorbei, um rauszufinden, ob die Erzzüge denn
überhaupt fahren; aus der Tatsache, dass dort nur ein Sr2-Dreierpärchen
stand, tippten wir auf ja.
An der Fotostelle angekommen (Nil hatte inzwischen schmerzhaft
rausgefunden, dass der Zigarettenanzünder tatsächlich funktioniert)
mussten wir zum ersten mal die ganzen warmen Kleider ausprobieren, die
wir mitgebracht hatten, da die Fotostelle ziemlich offen war und ein
eisiger Wind blies. Bald hatte Nil auch rekonstruiert, wie die
Blocksicherung funktioniert, und so kündigte sich ein Intercity in
Richtung Oulu an, gezogen von einer Sr2 mit diversen Dostos und ein paar
einstöckigen Wagen, den wir gleich auf Chip brachten.
Etwas später kam aus Oulu ein Irgendwas, das in
keinem Fahrplan verzeichnet war, und sich bald als Baufahrzeug
entpuppte. Nun ja, immernoch besser als garnichts.
Schlussendlich erreichte uns der Gegen-IC aus Oulu, wieder mit Sr2, aber
den Dostos hinten. |
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Sr2 3209
mit IC von Helsinki nach Oulu bei Liminka |
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Sr2 3236 mit IC von Oulu in
die Hauptstadt Helsinki bei Liminka |
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Danach verhiess der Fahrplan keine Züge mehr, und so
zogen wir weiter an die von den Erzzügen befahrene Strecke in Richtung
Muhos. Im Bahnhof von Utajärvi galt es zuerst zu warten, bis irgendwas
fährt, daher vergnügten wir uns im Schnee und auf einem eingeschneiten
Schotterhaufen. Nach etwa einer Stunde kam dann auch der Regionalzug aus
Oulu, gezogen von einer Sr1, in ziemlich miesem Licht.
Der Zug war fünfteilig, wobei ein Wagen ein
Speisewagen war; ziemlich aussergewöhnlich, angesichts dessen, dass der
Zug quasi leer war. Bei dessen Abfahrt fiel mir zudem auf, dass die
Wagen UIC-Konforme Kupplungen zu besitzen schienen, was aus drei Gründen
seltsam war: Finnland benutzt Breitspur, die Wagen würden also nicht
einfach so mal in Schweden auftauchen. Zweitens hatten die Wagen ein
deutlich grösseres Lichtraumprofil, das zwar vielleicht noch zu Schweden
kompatibel war, bestimmt aber nicht zu den meisten anderen europäischen
Ländern. Und zuguterletzt benutzt die VR bei Güterwagen häufig eine
russische Mittelkupplung, die nur mit Adaptern auf die UIC-Kupplung
passt. Wir fassten den Vorsatz, dies später zu recherchieren.
Eine Stunde oder so später kam dann der Zug aus der Gegenrichtung,
wieder mit Sr1 bespannt, dieser hatte gleich hinter der Lok einen
Gefängniswagen eingereiht. |
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Sr1 3095
mit P-Zug von Rovaniemi nach Kajaani im Bahnhof Utajärvi |
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Sr1 3057 mit einem P-Zug
nach Oulu im Bahnhof von Utajärvi |
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Das Licht war allerdings ziemlich mager, es war auch
schon etwa 17:00, und da die Strecke wohl nicht mit Ausweichstellen
gesegnet ist, erwarteten wir nicht, dass noch bald ein Erzzug auftauchen
würde. So beschlossen wir, nach Oulu zurückzukehren und ein feines
Nachtessen zu kochen.
Nach dem Besuch einer weiteren Fotostelle allerdings, auf eisbedeckter
Strasse, geschah das Missgeschick des Tages: Aufgrund von, uhm, äh,
"unvorsichtiger Fahrweise" habe ich es tatsächlich geschafft, das Auto
halb in den Schnee neben der Strasse zu versenken, und, wie es so sein
musste, brachten wir es nicht mehr raus! Alles Schnee wegkratzen,
schieben, Äste und in einen nahe gelegenen Schuppen gefundene Bretter
unterlegen half nichts mehr. Etwas verzweifelt hielten wir die
gelegentlich vorbeifahrenden Autos auf; ein älteres Ehepaar zeigte sich
zwar willig zu helfen, deren Mercedes hatte allerdings so schon Mühe mit
dem Eis und ein Abschleppseil war auch nicht zu finden.
Einen weiteren Versuch später kam dann allerdings
eine hilfsbereite Dame vorbei, die auch ein geeignetes Fahrzeug inkl.
Allradantrieb und Diff-Sperre hatte, allerdings kein Abschleppseil.
Glücklicherweise kannte sie jemanden in der Nähe, wo wir uns ein Seil
ausleihen konnten. Nil hatte inzwischen den Haken an der Auto-Front
montiert, was allerdings auch nur mit Hilfe des Handbuches ging. Dank
der Hilfe brachten wir das Auto dann auch tatsächlich aus dem Schnee
raus. Danach schien soweit alles ok, aber zurück auf der Hauptstrasse
begann das Auto zu vibrieren, Unwucht vorne links! Erstmal waren wir
etwas ratlos und dachten, es sei ernsthaft etwas kaputt. Bald kamen wir
aber auf die Idee, dass es sich vielleicht nur um Schnee in der Felge
handeln könnte und Stoppten an der nächsten Tankstelle (da hier nicht
gesalzen wird und die Temperaturen deutlich unter Null lagen kam der
Schnee leider nicht von selbst raus).
Wir versuchten dann mit einigen Hilfsmitteln und
schlussendlich mit den Händen den Schnee da raus zu kratzen, den es war
alles voll. Aufmerksam durch unser langes stehen und wuseln kam der erst
unfreundlich wirkende Tankstellenpächter auf uns zu und wollte wissen,
was wir hier machen. Er verstand und holte uns noch einen Luftschlauch
für die Pumpe, so versuchten wir mit Druckluft dem Schnee Herr zu
werden. Viel geschah aber nicht mehr, der "Schnee" hatte sich dank der
tiefen Temperaturen mittlerweile in Eis verwandelt. So dass wir weiter
mit den Händen kratzten ;) Als wir meinten fertig zu sein füllten wir
noch den Tank und erreichten dann den Supermarkt in Oulu, immer noch
durchgeschüttelt dank dem Eis im Rad. Aber es schüttelte erst ab 80km/h
und nicht schon ab 60km/h wie vor der Aktion.
Im Supermarkt kauften wir dann allerhand ein um uns
in der Hütte ein leckeres Abendessen zuzubereiten. Bevor wir uns aber
vor das Kochen machten spritzen wir die ganzen Räder mit heissem Wasser
aus dem Putzeimer ab, um dem letzten Eis so den gar aus zu machen. Nach
dem Kochen und Essen gings früh ins Bett, um am nächsten morgen für die
Erzzug-Suche fit zu sein.
Anmerkung von Nil: Hehe, "unvorsichtige Fahrweise",
schön geschrieben ;)
Ich Sass neben David und wir wollten auf einer
kleinen Strasse wenden, wie "üblich" kann man dafür auf Eisbedeckter
Fahrbahn die Handbremse zu Hilfe nehmen. Aber natürlich nur sehr langsam
und nur an Stellen wo genug Platz ist wenn man mehr rutscht als
vermutet. David meinte diese beiden Dinge nicht unbedingt beachten zu müssen und
zog "etwas" zu schnell auf einen "etwas" zu kleinem Platz die
Handbremse ;=). Auch mein "Neinei" vor der Aktion hat ihn davon nicht
abgehalten. Nun, wir standen dann zwar in der gewünschten Fahrtrichtung,
die Wendeaktion ist also prima geglückt, aber wie er geschrieben hat,
mit dem halben Wagen im Schneehaufen vom Strassenrand :-) Naja, nicht
weiter schilmm ..., so haben wir wenigstens wieder mal etwas zum
erzählen ;) |
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