Tag 4: Dienstag, 10.03.2009, Oulu -  Oulu, 182km

   

 
 
 

Text von David:

Pünktlich um 06:30 schepperte Nils Handy. Wir schliefen zwar wieder ein, doch unerbittlich schepperte es wieder und wieder, alle 8min, bis ich es schliesslich aufgab und mal das Wetter in Augenschein nahm.

Was ich sah gefiel mir allerdings ganz und gar nicht; rundherum alles grau in grau. Ein paar Wetterseiten später (mit bestem Dank an die Stadt Oulu fürs gratis-WLAN) war dann klar, dass es heute wohl ziemlich überall und den ganzen Tag und so ziemlich im ganzen Land so sein dürfte. Für Mittwoch war die Prognose allerdings besser, und so beschlossen wir, uns am Mittwoch auf die Suche nach den Sr2-bespannten Erzzügen zu machen.

So hingen wir am Morgen erst mal etwas gelangweilt in der Hütte vor dem Laptop. Wettermässig war aber tatsächlich keinerlei Besserung in Sicht; trotzdem wollten wir zumindest mal schauen, was so auf den finnischen Schienen läuft, und machten uns gegen Mittag auf an die Strecke nach Tampere, wo Nil eine Stelle bei Liminka kannte. Zuerst gings aber noch am Depot vorbei, um rauszufinden, ob die Erzzüge denn überhaupt fahren; aus der Tatsache, dass dort nur ein Sr2-Dreierpärchen stand, tippten wir auf ja.
An der Fotostelle angekommen (Nil hatte inzwischen schmerzhaft rausgefunden, dass der Zigarettenanzünder tatsächlich funktioniert) mussten wir zum ersten mal die ganzen warmen Kleider ausprobieren, die wir mitgebracht hatten, da die Fotostelle ziemlich offen war und ein eisiger Wind blies. Bald hatte Nil auch rekonstruiert, wie die Blocksicherung funktioniert, und so kündigte sich ein Intercity in Richtung Oulu an, gezogen von einer Sr2 mit diversen Dostos und ein paar einstöckigen Wagen, den wir gleich auf Chip brachten.

Etwas später kam aus Oulu ein Irgendwas, das in keinem Fahrplan verzeichnet war, und sich bald als Baufahrzeug entpuppte. Nun ja, immernoch besser als garnichts.
Schlussendlich erreichte uns der Gegen-IC aus Oulu, wieder mit Sr2, aber den Dostos hinten.

 

Sr2 3209 mit IC von Helsinki nach Oulu bei Liminka

  Sr2 3236 mit IC von Oulu in die Hauptstadt Helsinki bei Liminka
 

Danach verhiess der Fahrplan keine Züge mehr, und so zogen wir weiter an die von den Erzzügen befahrene Strecke in Richtung Muhos. Im Bahnhof von Utajärvi galt es zuerst zu warten, bis irgendwas fährt, daher vergnügten wir uns im Schnee und auf einem eingeschneiten Schotterhaufen. Nach etwa einer Stunde kam dann auch der Regionalzug aus Oulu, gezogen von einer Sr1, in ziemlich miesem Licht.

Der Zug war fünfteilig, wobei ein Wagen ein Speisewagen war; ziemlich aussergewöhnlich, angesichts dessen, dass der Zug quasi leer war. Bei dessen Abfahrt fiel mir zudem auf, dass die Wagen UIC-Konforme Kupplungen zu besitzen schienen, was aus drei Gründen seltsam war: Finnland benutzt Breitspur, die Wagen würden also nicht einfach so mal in Schweden auftauchen. Zweitens hatten die Wagen ein deutlich grösseres Lichtraumprofil, das zwar vielleicht noch zu Schweden kompatibel war, bestimmt aber nicht zu den meisten anderen europäischen Ländern. Und zuguterletzt benutzt die VR bei Güterwagen häufig eine russische Mittelkupplung, die nur mit Adaptern auf die UIC-Kupplung passt. Wir fassten den Vorsatz, dies später zu recherchieren.
Eine Stunde oder so später kam dann der Zug aus der Gegenrichtung, wieder mit Sr1 bespannt, dieser hatte gleich hinter der Lok einen Gefängniswagen eingereiht.

 

 

Sr1 3095 mit P-Zug von Rovaniemi nach Kajaani im Bahnhof Utajärvi

  Sr1 3057 mit einem P-Zug nach Oulu im Bahnhof von Utajärvi
 

Das Licht war allerdings ziemlich mager, es war auch schon etwa 17:00, und da die Strecke wohl nicht mit Ausweichstellen gesegnet ist, erwarteten wir nicht, dass noch bald ein Erzzug auftauchen würde. So beschlossen wir, nach Oulu zurückzukehren und ein feines Nachtessen zu kochen.
Nach dem Besuch einer weiteren Fotostelle allerdings, auf eisbedeckter Strasse, geschah das Missgeschick des Tages: Aufgrund von, uhm, äh, "unvorsichtiger Fahrweise" habe ich es tatsächlich geschafft, das Auto halb in den Schnee neben der Strasse zu versenken, und, wie es so sein musste, brachten wir es nicht mehr raus! Alles Schnee wegkratzen, schieben, Äste und in einen nahe gelegenen Schuppen gefundene Bretter unterlegen half nichts mehr. Etwas verzweifelt hielten wir die gelegentlich vorbeifahrenden Autos auf; ein älteres Ehepaar zeigte sich zwar willig zu helfen, deren Mercedes hatte allerdings so schon Mühe mit dem Eis und ein Abschleppseil war auch nicht zu finden.

Einen weiteren Versuch später kam dann allerdings eine hilfsbereite Dame vorbei, die auch ein geeignetes Fahrzeug inkl. Allradantrieb und Diff-Sperre hatte, allerdings kein Abschleppseil. Glücklicherweise kannte sie jemanden in der Nähe, wo wir uns ein Seil ausleihen konnten. Nil hatte inzwischen den Haken an der Auto-Front montiert, was allerdings auch nur mit Hilfe des Handbuches ging. Dank der Hilfe brachten wir das Auto dann auch tatsächlich aus dem Schnee raus. Danach schien soweit alles ok, aber zurück auf der Hauptstrasse begann das Auto zu vibrieren, Unwucht vorne links! Erstmal waren wir etwas ratlos und dachten, es sei ernsthaft etwas kaputt. Bald kamen wir aber auf die Idee, dass es sich vielleicht nur um Schnee in der Felge handeln könnte und Stoppten an der nächsten Tankstelle (da hier nicht gesalzen wird und die Temperaturen deutlich unter Null lagen kam der Schnee leider nicht von selbst raus).

Wir versuchten dann mit einigen Hilfsmitteln und schlussendlich mit den Händen den Schnee da raus zu kratzen, den es war alles voll. Aufmerksam durch unser langes stehen und wuseln kam der erst unfreundlich wirkende Tankstellenpächter auf uns zu und wollte wissen, was wir hier machen. Er verstand und holte uns noch einen Luftschlauch für die Pumpe, so versuchten wir mit Druckluft dem Schnee Herr zu werden. Viel geschah aber nicht mehr, der "Schnee" hatte sich dank der tiefen Temperaturen mittlerweile in Eis verwandelt. So dass wir weiter mit den Händen kratzten ;) Als wir meinten fertig zu sein füllten wir  noch den Tank und erreichten dann den Supermarkt in Oulu, immer noch durchgeschüttelt dank dem Eis im Rad. Aber es schüttelte erst ab 80km/h und nicht schon ab 60km/h wie vor der Aktion.

Im Supermarkt kauften wir dann allerhand ein um uns in der Hütte ein leckeres Abendessen zuzubereiten. Bevor wir uns aber vor das Kochen machten spritzen wir die ganzen Räder mit heissem Wasser aus dem Putzeimer ab, um dem letzten Eis so den gar aus zu machen. Nach dem Kochen und Essen gings früh ins Bett, um am nächsten morgen für die Erzzug-Suche fit zu sein.

 

Anmerkung von Nil: Hehe, "unvorsichtige Fahrweise", schön geschrieben ;)

Ich Sass neben David und wir wollten auf einer kleinen Strasse wenden, wie "üblich" kann man dafür auf Eisbedeckter Fahrbahn die Handbremse zu Hilfe nehmen. Aber natürlich nur sehr langsam und nur an Stellen wo genug Platz ist wenn man mehr rutscht als vermutet. David meinte diese beiden Dinge nicht unbedingt beachten zu müssen und zog "etwas" zu schnell auf einen "etwas" zu kleinem Platz die Handbremse ;=). Auch mein "Neinei" vor der Aktion hat ihn davon nicht abgehalten. Nun, wir standen dann zwar in der gewünschten Fahrtrichtung, die Wendeaktion ist also prima geglückt, aber wie er geschrieben hat, mit dem halben Wagen im Schneehaufen vom Strassenrand :-) Naja, nicht weiter schilmm ..., so haben wir wenigstens wieder mal etwas zum erzählen ;)

 

 
   
 

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