Tag 5: Dienstag, 11.03.2009, Oulu -  Oulu, 624km

   

 
 
 

Die Welt war noch in Ordnung als wir um kurz vor 7 Uhr in unserem Haus 11D von meinem Handy geweckt wurden. Draussen war es zwar immer noch so schlecht wie die letzten Tage, aber 200km im Landesinnern konnte das schon wieder ganz anders aussehen.
Also beschlossen wir, im Gegensatz zu gestern, den Tag so durchzuziehen wie geplant, erstes Ziel war somit die Finnisch – Russische Grenze bei Vartius. Um etwa halb 8 kamen wir raus, das Navi meinte 3.5h für die Strecke, was eine Ankunft um etwa 11 bedeutete. Prima, denn um 11:15 würde ein Erzzug in Vartius von Oulu her ankommen und einer müsste Vartius kurz darauf wieder verlassen. Also egal welche Leistung das läuft, wir würden sie erwischen.
Beim ersten mal Gas geben nach der Reinigung der Räder erwarteten wir gespannt... 60, 70, 80, 90... ruckeln? NEIN.. Sehr gut! War es also doch nur der Schnee, der die gefühlte Unwucht ausgelöst hat.
Wir kamen gut voran und bewegten uns gegen den Verkehrsstrom aus Oulu raus, Muhos, Utajärvi und immer weiter ging es durch die tief verschneiten und vom Gewölk verdunkelten Landschaften. Während es draussen immer kälter wurde und wir immer wieder durch verschieden dunkle Gebiete fuhren merkte ich beim Versuch die Hupe zu betätigen, dass diese nicht funktioniert! David hat die Hupe getötet! Der Schuft ;)
Wir passierten Paltamo, ein Ort, wo ich vor zwei Jahren die schrecklichste Pizza meines Lebens gegessen habe, und just als wir die Bahnlinie sahen kam eine Dv12 mit einem kurzen leeren Holzzug daher. Wir wendeten und erlegten den Zug im Bahnhof, wo die Lok die Wagen abgestellt hatte.

 

Dv12 2517 mit einem kurzen Holzzug im Bahnhof von Paltamo

  Dv12 2517 rangiert im Bahnhof von Paltamo
 

Weiter ging es in Richtung Russland, wir waren gut in der Zeit und kamen auf den vereisten Strassen zügig voran. Während auf der Hauptstrasse nach Kajaani eigentlich alles geräumt wurde gab man sich auf der Strasse nach Vartius nicht sonderlich viel Mühe, an vielen stellen war die Strasse noch komplett von Eis bedeckt – nicht Schnee, sondern Eis. Ohne Spikes hätte ich da nicht fahren wollen, mit kommt man aber auch mit >80km/h gut voran, auch wenn man teilweise etwas ausserhalb seiner Spur fährt um mit zwei Rädern auf dem Asphalt zu bleiben. Dank sehr sehr wenig Verkehr und keinem einzigen Dorf innerhalb von 100km war das aber kein Problem.
Unterwegs schauten wir uns noch die ein oder andere Stelle an, nur zum sicherzugehen, dass wir bei der anschliessend geplanten Verfolgung des Erzzuges keine Stelle anfahren würden welche nicht mehr geht.
Kurz vor Vartius kam sie dann, die Sonne, wie vorhergesagt, es tat auf, aus einigen blauen Fetzen wurde eine strahlend blauer Himmel, ein Traum, perfekt für einen Erzzug!
Vartius erreichten wir um kurz nach 11, und man sah schon beim heranfahren, dass der Bahnhof leer war, kein Zug war da, nicht mal abgestellte Wagen. Ob das etwas gutes oder schlechtes bedeutet war nicht so klar, aber um weitere Informationen zu erhalten müsste Personal da sein, so wusste ich es noch vom Sommer. Als wir dann aber beim Stellwerk durch die Scheiben guckten war niemand da, alle Displays waren dunkel und auch sonst war nichts los. Nur eine Lüftung dröhnte, ansonsten war totenstille, wenn nicht gerade ein Auto oder LKW gen Russland brauste. Hmm..., dass das nichts Gutes bedeutet war uns beiden nun klar.

Wie wir so beim Auto standen und etwas ratlos mit den Schultern zuckten fuhr ein Auto ran mit zwei Bahnangestellten drin, diese schnappten wir uns und fragten mal, ob den heute kein Zug mehr kommt. Die Antwort wollten wir so eigentlich nicht hören: Nächster Zug auf der Strecke fährt erst am Freitag. WAS! Zur Erinnerung, es ist Mittwoch. Öhm, sehr suboptimal.

Das habe ich aber auch noch nicht erlebt, eine Strecke in der über zwei Tage kein Zug fährt, schlimmer noch, wenn man es weiss ;) Da Erinnere ich mich nur an die Breitspur in Polen zurück, wo ich mit Daniel mal 12h stand ohne das ein Zug kam, aber da wussten wir es wenigstens nicht im vornherein ;)

Wir glaubten das erstmal und verdufteten, schauten auf der Rückfahrt gelegentlich an einer Stelle vorbei, einfach so, ohne Grund, weil die Stimmung war etwas weit unten. Da war es endlich mal gutes Wetter, und genau dann wenn alles passt, fahren die Züge nicht.

Wir stellten uns dann am einzige Ausweichbahnhof von Härmänkylä (dem einzigen auf der 100km langen Strecke) auf die Güterrampe und warteten. Nicht, dass wir den Bahnmitarbeitern nicht geglaubt hätten, aber man weiss ja nie. Die Aussichtslosigkeit der Aktion war uns als wir uns stellten noch nicht bewusst ;)

Nach 2h in der Sonne auf der Güterrampe war es uns dann zu dumm und wir fuhren für zwei P-Züge an die Strecke von Oulu nach Kajaani zurück, um heute immerhin noch etwas zu reissen

Das Wetter sah nicht mehr gut aus, je weiter wir zurück fuhren. Denn das blaue Loch war noch nicht so weit gen Westen vorgedrungen, so das wir alsbald wieder im Schatten sassen. Wobei sich das Loch auf uns zu bewegte, so das man mit etwas Geduld doch noch auf die Sonne hoffen konnte.
Erster Anlaufpunkt war der Bahnhof von Kontiomäki, ein Bahnknoten etwas nördlich von Kajaani. Eine Dv12 war mit Rangierarbeiten beschäftigt, eine Sr1 stand unfotogen herum, ansonsten war nicht viel los, trotzdem gab es noch das eine oder andere Bild als sich die Sonne hinter den Wolken hervor traute.

 

 

Betriebsruhe im Bahnhof von Härmänkylä

  Dv12 2509 am Rangieren im Bahnhof von Kontiomäki
 

Etwas mühsam muss es schon sein, das Rangieren mit Finnischen und Russischen Wagen. Weil die Finnen sowohl Wagen mit AK als auch mit Schraubenkupplung haben, ist mir das so noch gar nie aufgefallen.

Die Wagen sind immer zu Gruppen formiert, dazwischen arbeitet man mit zu Adapterwagen missbrauchten Flachwagen. Der Zug bestand so am Ende des Rangiermanövers aus Wagen mit AK Kupplung, Adapterwagen, einer Wagengruppe mit Schraubenkupplung, nochmals einem Adapterwagen und nochmal ein paar AK Wagen. Grandios! Geht irgendwo in die Richtung ABM? Wobei mehr erstaunt, warum hat man so viele Wagen mit Schraubenkupplung im Einsatz? Es waren meist Wagen die ganz klar vom Lichtraumprofil her für die Breitspur gebaut sind und kaum das Land verlassen.

Etwas mühsam muss es schon sein, das Rangieren mit Finnischen und Russischen Wagen, weil die Finnen sowohl Wagen mit AK als auch mit Schraubenkupplung haben, ist mir so noch gar nie aufgefallen. Die Wagen sind immer zu Gruppen formiert, dazwischen arbeitet man mit zu Adapterwagen missbrauchten Flachwagen. Der Zug bestand so am Ende des Rangiermanövers aus Wagen mit AK Kupplung, Adapterwagen, einer Wagengruppe mit Schraubenkupplung, nochmals einem Adapterwagen und nochmal ein paar AK Wagen. Grandios!
Der erste P-Zug sollte aus Oulu kommen, gen Kajaani sogar richtig im Licht, also fuhren wir mal in diese Richtung. Auf der Karte hatte es sogar noch ein paar Kringel von vor 2 Jahren, welche wir gemacht hatten; in Natura gesehen hatten wir die Strecke bis dato aber nicht. Der Abstecher nach Kajaani hat sich aber nicht gelohnt, nur Wald da, sehr unfotogen!
Das Studieren des Fahrplans von Oulu nach Kontiomäkki brachte dann einen Konflikt zu Tage, nach der Einfahrt des P-Zug von Oulu sollte ein Güterzug Kontiomäkki verlassen, was etwas suboptimal war, da die Fahrzeiten der Züge keine wirkliche Verfolgung zuliessen.
Wieder am Bahnhof zurück erledigte sich dieses Problem aber von selber, da kein Güterzug nach Oulu bereit stand, die Sr1 war aber weg und die Wagen auch, vermutlich hatte sich der Zug vorzeitig auf den Weg gemacht – Mist! Wir schossen dann den P-Zug so gut es ging im Bahnhof...

 

Sr1 3003 mit einem P-Zug von Oulu nach Kajaani in Kontiomäki

  Sr1 3070 mit einem P-Zug von Kuovala nach Oulu bei Paltamo im letzten Licht.
 

… und machten uns dannach auf den Weg nach Mehlahti, eine Stelle für den P-Zug nach Oulu beziehen welcher um halb 5 auf dem Programm stand.

Mit exakt dem gleichen „verfahrer“ wie vor zwei Jahren fanden wir die Stelle dann nach etwa 1km Fussmarsch auf einem zum Glück geräumten Weg und setzten uns ins Gras, ähh .. in den Schnee.

Die Zeit zum Zug verging ohne weitere Überasschungen und sogar die Sonne hielt sich, obwohl sie so tief stand, dass das Ende des blauen Loches wieder bedrohlich nah kam.

Wie wir da so stehen kommt der Zug, ich machte meine Fotos und hörte anschliessend nur David fluchen, was den los sei? Irgendwie ist seine Kamera abgestürzt oder so, auf jeden Fall wollte Sie bis zum kompletten verlust des Stroms (Akku entfernen) kein Foto schiessen, obwohl sonst alle Funktionen zu funktionieren schienen. Merkwürdig, und gemein, dass erste richtige Bild vom Urlaub (was eigentlich schon ein Armutszeugnis ist – HILFE) dank Technischer Probleme verdaddelt.

Zurück bis Oulu fuhr dann David, während ich mir nebenan ein kleines Nickerchen gönnte.

Es bot sich an, dass wir in Oulu noch kurz die Brücke vor dem BW überfuhren um zu schauen was geht .. und irgendwie war keine Sr2 Dreifachtraktion da .. wie jetzt? ACH, alles murks.

Zum Frustmampf besuchten wir anschliessend eine Gaststätte zum goldenen M ...

Am Campingplatz Eingang cancelten wir noch unsere Reservation für die letzte geplante Nacht, da wir bereits morgen hier abdüsen nach Norden, Kolari (was auf Finnisch übrigens „Unfall“ bedeutet, hoffen wir, dass es nicht ein schlechtes Omen bedeutet) soll es werden.

Zurück in 11D machten wir noch unser Fleisch welches unbedingt gemacht werden musste und versuchten noch unsere Hupe zu reparieren, was nicht gelang. Auch Onkel Gugel konnte nicht weiterhelfen, ob wir die Hupe verloren haben? ;)

Um kurz vor 12 jetzt sind wir  müde und enttäuscht zu Bett gegangen, ach, es hätte so schön sein können und alles hätte gepasst, blöde Wirtschaftskrise!

 

 
   
 

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