Tag 6: Donnerstag, 12.03.2009, Oulu -  Kolari, 359km

   

 
 
 

Da die Erzzüge bis Freitag nicht fahren sollten, stand heute nicht viel mehr auf dem Plan als abzureisen in Richtung Norden.

Daher schliefen wir erst mal aus, den Wecker mehrfach ignorierend, und bequemten uns erst gegen halb zehn aus dem Bett. Nil suchte eine Unterkunft in Kolari raus, und die Hütte wollte auch noch aufgeräumt und geputzt werden.

Eine gute Stunde später fuhren wir los, erst mal in Richtung Lidl, um ein paar Sachen einzukaufen, und um zu entschieden definitiv nach Kolari zu fahren, so sicher waren wir uns nämlich bis am Schluss nicht.

Die ausgedruckten Fahrpläne welche wir nach der definitiven Entscheidung noch studierten verrieten, dass in Richtung Kolari nur gerade ein Personenzugpaar sowie ein Güterzugpaar pro Tag (!) fährt, klar, das wussten wir eigentlich, trotzdem waren wir etwas verwundert ;). Den Güterzug 12:45 ab Kemi sollten wir eigentlich erwischen können, also fuhren wir mal los und nach einem kurzen Tankstopp waren wir schon bald in Ii (ja, das schreibt sich mit zwei „i“), wo sich eine recht nette Stahlbrücke befindet. Diese lässt sich gut seitwärts fotografieren. Laut Fahrplan hätte bald ein Personenzug aus Kemi kommen müssen. Bei der Brücke angekommen stellten wir jedoch als erstes fest, dass der westliche Fotostandpunkt aufgrund des Schnees und vieler privater Grundstücke nicht erreichbar war. Daher probierten wir es auf der Ostseite, wo es tatsächlich eine offene Stelle am Flussufer gab. Vom Zug war allerdings leider nichts zu sehen, wir haben ihn wohl verpasst.

Weiter ging die Fahrt in Richtung Kemi und danach Tornio, wo wir zwangsläufig am Bahnhof vorbei kamen. Dort stand ein Güterzug mit zwei laufenden Dv12-Hobeln vorgespannt in der Sonne.

 

Dv12 2661 im Bahnhof vor Tornio vor der Abfahrt nach Kemi

  Dr16 2815 im Bahnhof von Kolari, wartet auf die Abfahrt des Nachtzuges
 

Wir erwarteten eine Kreuzung, aber der Lokführer welcher gerade seinen Arbeitsplatz enterte erklärte, dass es schlicht noch zu früh für die Abfahrt nach Kemi sei. Wir machten deshalb rasch ein Bild des Zuges bei halbem Gegenlicht und fuhren weiter, auf der finnischen Seite entlang des Grenzflusses Tornionjoki. Lustig, das Navi wollte über Schweden fahren, dabei ist die Strasse in Finnland mehr Hauptstrasse.

Die nicht elektrifizierte Bahnstrecke nach Kolari verläuft quasi überall in der Nähe der Hauptstrasse, und wäre eigentlich noch recht hübsch mit vielen offenen Stellen gerade im untersten Streckenbereich. Leider fährt, wie bereits festgestellt, quasi nie ein Zug; ausser Samstags, dann dafür gleich vier Personenzugpaare (aber alle aus dem Licht). Trotzdem sind viele Bahnübergänge mit Schranken ausgerüstet, wozu auch immer.

Wir stellten weiter Vermutungen an, ob die Strecke überhaupt Signalmässig gesichert ist (oder per Funk koordiniert wird) und ob die Weichen wohl alle von Hand bedient werden, wie das dem Anschein nach an der Erzstrecke in Richtung russischer Grenze der Fall ist; wir glaubten aber später, immerhin Signale entdeckt zu haben. Das Wetter war auch nach wie vor gut, was den Mangel an Betrieb noch ärgerlicher machte. Den Güterzug, den wir überholen sollten, fanden wir allerdings nicht; wir waren aber aufgrund des Abstechers in Ii auch etwas zu spät dafür.
In Kolari angekommen schauten wir zuerst im Bahnhof rein. Dort standen, abgestellt und am Stromnetz angeschlossen, zwei Dr16, die den Nachtzug am Morgen gebracht hatten und nun auf die abfahrt desselben warteten.

Kolari selber ist übrigens der nördlichste Punkt welcher die VR im Personenverkehr und wohl auch regelmässig im Güterverkehr anfährt, insofern ist der Bahnhof schon etwas "spezielles", und der Nachtzug von Kolari nach Heslinki ist natürlich der längste Zuglauf des Landes, was sowohl Zeit als auch Wegstrecke anbelangt!

 

 

Autotransportwagen an der Rampe in Kolari

  Die neu eröffnete Rampe für die Autoverladung in Kolari
 

Dahinter stand der abgekuppelte Nachtzug, stattliche zehn Schlaf- und Sitzwagen, einen Speisewagen und vier Autotransportwagen lang, wobei die Autowagen gestaffelt nach Bauart jeweils getrennt an je eine Rampe gestellt waren. Vom Güterzug war aber weit und breit nichts zu sehen.
Da der Nachtzug erst um 18:45 abfahren sollte und es erst knapp nach fünf war, schauten wir uns erst das Hotel an, das weniger als fünf Minuten zu Fuss vom Bahnhof weg war und einen guten Eindruck machte (100 Euro für ein Doppelzimmer pro Nacht, dafür mit gratis-WLAN und Frühstück). Danach gings nochmals zum Bahnhof, um uns die Autotransportwagen anzusehen...

 

Die Nördlichste Bahnhofausfahrt von Finnland!

  Dr16 2815 mit P268 am Hacken im Bahnhof von Kolari
 

Die Autotransportwagen waren zwei unterschiedliche Bauarten, einer war geschlossen mit durchgehend gleich hohem Deck, die anderen drei waren offen, wobei wir uns fragten, wie das Auto wohl aussieht, nachdem es die ganze Nacht zuhinterst im Zug dem Schneestaub ausgesetzt war... vermutlich relativ weiss ;). Eine bedingte Antwort auf diese Frage gab auch eine Tafel, die davor warnte, dass der Motorraum mit Flugschnee gefüllt sein könnte. Ebenfalls interessant war die Sortieranlage, die einfahrende Autos in vier Höhenkategorieen sortiert und auf das entsprechende Deck verweist.
Um herauszufinden, was wir zu Abend essen wollten, fuhren wir rasch ins „Stadtzentrum“ von Kolari, nur um das Unvermeidliche festzustellen: Der Ort besteht gerade mal aus ein paar zerstreuten Häusern und Läden, weit und breit nichts, das sich „Zentrum“ nennen könnte. So gingen wir zurück ins Hotel und danach bald zum Bahnhof, um den Nachtzug zur „blauen Stunde“ (oder besser gesagt „grauen Stunde“, da es inzwischen wieder zugezogen hatte) zu fotografieren. Inzwischen war der Zug zusammengestellt und zur Abfahrt parat, so hatten wir Zeit für ein paar Nachtaufnahmen der Loks. Für mich war es die erste Gelegenheit, das neue Stativ zu testen, zur vollsten Zufriedenheit :)

Zum Abendessen ging es dann in den grossen (und einzigen) Suptermarkt von Kolari welcher gleich neben Hotel und Bahnhof lag, wir kauften etwas Brot, Fleisch, Käse und Salat ... was im Zimmer dann samt und sonders weggeputzt wurde.

Nach dem Abendessen blieb uns in dieser gottlosen Gegend nichts weiter übrig, als uns die Zeit im Zimmer "tot" zu schlagen, was aber vorzüglich und höchst amüsant gelang - gn8!

 

 
   
 

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